
† 04.02.1985 in Thönex/Kanton Genf
Vater: Willy Helwig (Kunstmaler, Grafiker, Lehrer)
Mutter: Jakobine, geb. Wiencken
Biografie
1922 ging Werner Helwig ohne schulischen Abschluss und eine berufliche Ausbildung nach Hamburg und eignete sich als Autodidakt Kenntnisse in Literatur, Kunst, Musik und Ethnologie an. Nach der Begegnung mit der Wandervogel-Jugendbewegung und ersten Gedicht-Veröffentlichungen wurde er Mitglied des „Nerother Wandervogel“ auf Burg Waldeck bei Dorweiler im Hunsrück, auf der er sich zwischen 1927 und 1933 wiederholt aufhielt und diese auch später immer wieder besuchte. Die Burg wurde sein Zuhause. Er lebte in einer alten Hütte – lesend, schreibend, malend – wurde „Hofpoet“ und Liedermacher der Burg.
Von hier aus brach er zu Unternehmungen und Reisen unterschiedlicher Art auf, kehrte aber immer wieder für Wochen und Monate auf die Burg Waldeck zurück. In seinem autobiographischen Buch Auf der Knabenfährte (1951) schreibt er:
„Die Burg, das war der lodernde Mittelpunkt meines Jugenderlebnisses. Jeder Mensch hat ein Jugenderlebnis, um das er insgeheim kreist. Ich danke der Burg das, was ich bin, das Herz meines Herzens, die Sehnsucht, die mich nicht altern lässt.“
Ab 1929 leitete er in Hamburg eigene Nerother Gruppen, schrieb Gedichte und Lieder und nahm an Großfahrten des Nerother Bundes teil.
Am Tag der Machtergreifung Hitlers verließ Helwig Deutschland, lebte in der Schweiz, in Italien und Liechtenstein, reiste nach Griechenland und Island. 1939 wurde er durch die Veröffentlichung seines Romans Raubfischer in Hellas europaweit bekannt. Nach dem Krieg erschienen ab 1950 zahlreiche seiner Bücher und Lieder. Sein umfangreiches Werk umfasst Romane, Novellen, Erzählungen, Lyrik und Lieder.
Helwigs Erfahrungen aus seiner bündisch orientierten Zeit fanden ihren Niederschlag u.a. in dem autobiographischen Werk Auf der Knabenfährte (1951), einem Erinnerungsbuch an seine Zeit auf Burg Waldeck, in Geheimnisse des Baybachtales (1955), in Die Blaue Blume des Wandervogels (1960), in der Erzählung Der Äskulap des Hunsrück (1953) über den Knochenflicker Jakob Pies aus Dorweiler, in Carmina Nerothana (1983) und in Nerothane Balladen (1984). Seine Lieder werden noch heute in den Jugendbünden gesungen. In Zeitschriften der Jugendbewegung nimmt Helwig als von der Jugendbewegung geprägter Autor bis heute einen festen Platz ein.
Helwig wurde mehrfach ausgezeichnet: 1951 mit dem Preis der Mainzer Akademie der Wissenschaften und der Literatur, 1962 mit dem Literaturpreis des Kulturkreises im BDI, 1961 mit dem Bundeverdienstkreuz 1. Klasse.
In erster Ehe heiratete Werner Helwig 1941 die Schweizerin Yvonne Garmaine Diem (1909-1978), in zweiter Ehe 1981 Gerda Heimes (1942-1998). Begraben wurde er auf dem Friedhof in Wormbach bei Schmallenberg im Sauerland, dem Wohnort seiner zweiten Frau Gerda. Sein Gedenkstein ist auf der Nerother Jugendburg Waldeck aufgestellt.
Quellen / Literatur
- Heinz Schöffler, Werner Helwig. Ein Schriftstellerporträt in: Weltstimmen, Weltbücher in Umrissen, Stuttgart 1954.
- Jean Amery, Bildnisse berühmter Zeitgenossen – Jenseits der bürgerlichen Tradition, in: St. Galler Tageblatt vom 3. Januar 1965.
- Richard Bersch, Pathos und Mythos, Studien zum Werk Werner Helwigs mit einem bio-bibliographischen Anhang, Trier 1991.
- Karl Lubomirski, Um an Werner Helwig zu erinnern, in: Muschelhaufen, Jahresschrift für Literatur Nr. 33/34, Viersen 1995.
- Werner Helwig, Eine nachgetragene Autobiographie, hrsg. von Ursula Prause, Bremen 2014.
- Werner Helwig, in: Wikipedia, die freie Enzyklopädie.
Dr. Eike Pies, Sprockhövel
Heft 187 | Stand: 9/2023
