Henckel von Donnersmarck, Wilhelm Ludwig Viktor Graf

Wilhelm Ludwig Viktor Graf Henckel von Donnersmarck
* 30.10.1775 in Potsdam
† 25.07.1849 in Dessau
Vater: Victor Amadeus Graf Henckel von Donnersmarck
Mutter: Ottilie, geb. Gräfin von Lepel

Biografie

Wilhelm Ludwig Viktor Henckel von Donnersmarck war der erste Sohn aus der zweiten Ehe seines Vaters, des Generalleutnants Victor Amadeus. Dessen erste Ehefrau Wilhelmine von Wackerhagen war 1770 verstorben. Berühmt wurde er als Befreier Simmerns und des Hunsrücks von der französischen Besatzung, als der er sich gerne feiern ließ.

Durch die Mitgliedschaft im Domstift zu Brandenburg war Henckel von Donnersmarck finanziell standesgemäß abgesichert. 1789 trat er als Kornet (Trompeter) in ein Dragoner Regiment ein, wechselte 1798 zur Garde du Corps nach Berlin, wurde 1803 Rittmeister und 1806 Major. 1810 übernahm er das Amt des Flügeladjutanten König Friedrich Wilhelms III. und war Teil der Gesandtschaft, die Napoleon I. in Paris zur Vermählung mit Marie-Louise von Österreich gratulierte. 1812 war er in geheimer Mission bei General York und brachte dem König die Nachricht von der Konvention von Tauroggen.

1813 wurde er Oberst, 1814 Generalmajor. Im Krieg gegen Frankreich führte er einen Truppenteil, der die rechte Flanke des Yorkschen Korps decken sollte. Als solcher nahm er handstreichartig das von französischen Truppen besetzte Simmern, wobei er seine militärischen Leistungen in seinen Erinnerungen sehr übertrieben herausstellte. Er verfolgte die Franzosen und zog in der Nacht vom 5. auf den 6. Januar 1814 in Trier ein. Dort setzte er eine provisorische Regierung und eine Bürgerwehr ein. Bis 1818 blieb er bei der Okkupationsarmee in Frankreich. 1820 wurde er Generalleutnant und als Kommandeur der 6. Division zum Kommandanten von Torgau ernannt. Nach seinem Abschied 1821 lebte er auf dem Rittergut Tiefensee bei Bad Düben und zuletzt bis zu seinem Tod in Dessau, das ihm die Ehrenbürgerschaft verlieh.

Henckel von Donnersmarck war seit 1791 Freimaurer. 1838 bis 1841 und 1842/43 war er Landes-Großmeister der Großen Landesloge von Deutschland und von 1841 bis 1849 deren Ordensmeister. 1840 nahm er den späteren Kaiser Wilhelm I. in den Freimaurerbund auf.

Seine Ehe mit Friederika von dem Knesebeck (geschlossen 1804) blieb kinderlos. 1819 adoptierte er Paulina Helena Leopoldina Teresa von dem Knesebeck (* 1813), eine Tochter des Stiefbruders seiner Frau.

Henckel von Donnersmarcks „Erinnerungen aus meinem Leben“ (1846) enthalten viele interessante Anekdoten, sind historisch aber unzuverlässig und zu großen Teilen widerlegt. Die Eroberung Simmerns hat er idealisierend ausgeschmückt, statt der von ihm behaupteten Besatzung von 8.000 Mann in Simmern betrug diese unter 1.000. Nach unglücklichen taktischen Entscheidungen blieben nach kurzem Kampf nur 30 bis 40 Gefangene und einige tote Franzosen zurück, der Rest konnte relativ geordnet mit der gesamten Artillerie fliehen. Der restliche Hunsrück wurde von den Franzosen kampflos geräumt.

Quellen / Literatur

  • Klaus Gerteis, Henckel von Donnersmarck, in: Trierisches Biographisches Lexikon, Veröffentlichung der Landesarchivverwaltung Rheinland-Pfalz 87, S. 170.
  • Ferdinand von Meerheimb, Henckel von Donnersmarck, in: Allgemeine Deutsche Biographie, Band 11, Leipzig 1880, S. 732-734.
  • Eugen Lennhoff/Oskar Posner, Internationales Freimaurerlexikon, 1932.
  • Jürgen König, Der Hunsrück in der französischen Zeit (1789/94-1814), Diss. Mz., Mainz 1995, S. 294-299.

Dr. Achim R. Baumgarten, Simmern
Heft 156 | Stand: 7/2014