Hermanns, Franz Matthias Wilhelm Joseph

Franz Matthias Wilhelm Joseph Hermanns
* 31.05.1878 in Simmern
† 25.01.1960 in Dülmen
Vater: Franz Gottfried Hubert Joseph Hermanns (Königlicher Hypothekenbewahrer)
Mutter: Maria Barbara Fernandina, gen. Johanna, geb. Schloemer

Biografie

Ein wahrhaft rastloses Wirken begleitete sämtliche Lebensstationen des im Hunsrückstädtchen Simmern geborenen späteren Apothekers Franz Hermanns (seine weiteren Vornamen wurden nach eigenen Ausführungen zeitlebens „unterschlagen“), der sich in seinen westfälischen Wahlheimatstädten Bad Driburg und Dülmen neben seinem mit Leidenschaft ausgeübten Beruf insbesondere als eifriger Förderer des Heimatgedankens verdient machte.

Zu den ältesten „Simmerner Kindheitserinnerungen“ zählte für Franz Hermanns der historische Großbrand der „Wannemühle“ auf der „Eich“ im Jahre 1883, die dem Elternhause genau gegenüber lag. Als sein Vater weitere vier Jahre später im Jahre 1887 im blühenden Mannesalter von 47 Jahren in der Hunsrückmetropole plötzlich verstarb, zog die Mutter nach vollzogenem Eigenheimverkauf mitsamt ihrer vier Kinder nach Koblenz-Pfaffendorf, wo Franz das Gymnasium besuchte. So endete auch für das kleine „Fränzchen“ schon sehr früh dessen „Hunsrücker Zeit“.

Als weitere zehn Jahre später die Mutter im Jahre 1897 ihrem Ehegatten ins Grab folgte, wurde Franz mitsamt dreier Geschwistern seinem in Köln lebenden Patenonkel Dr. Franz Hermanns im Anschluss an dessen Vormundbestellung „zugeleitet“. Ein weiterer Schulwechsel zum dortigen Friedrich-Wilhelm-Gymnasium war angesagt. Nach erfolgreicher Reifeprüfung zog es ihn mit „Studienziel Apotheker“ ins schwäbische Universitätsstädtchen Tübingen.

Im Anschluss an den erfolgreichen Studienabschluss und den in unterschiedlichen Garnisonsstädten vollzogenen Militärdienst folgten in den späten Jahren des Deutschen Kaiserreichs seine ersten Apothekerjahre bei Georg Francke in Boppard. Hier wurde bei Franz Hermanns neben dem Erwerb ausgezeichneter beruflicher Qualifikationen durch den im Übrigen weit über die mittelrheinischen Grenzen populären Apotheker Francke, der zudem ehrenamtlich als städtischer Beigeordneter und Vorsitzender des Heimat- und Verkehrsvereins, auch die ein langes Leben anhaltende Verbundenheit zur Heimathistorie geweckt. In dem Rheinstädtchen verfasste Hermanns auch im Jahre 1914 sein literarisches Erstlingswerk „Gedeon von der Heide – der Sänger von Boppard“.

Nach dem Ersten Weltkrieg folgte eine weitere berufliche Station mit Wohnsitzwechsel nach Bad Driburg. Die dortige Stadtgeschichte und die weitere Historie „rund um den Teutoburger Wald“ faszinierten Franz Hermanns dergestalt, dass er sich recht bald u.a. mit zahlreichen Fachaufsätzen und –vorträgen im Vorstand des aufblühenden Heimatvereins, in der Kirchengemeinde, in der Bäderverwaltung, dem Eggegebirgsverein, dem Kriegerbund, der Freiwilligen Feuerwehr und weiteren Organisationen und Vereinigungen in den dortigen Stadtannalen verewigte.

Eine in Schieflage geratene Apotheke in Dülmen verstand er als neue Aufgabe, so dass er sich dort im Jahre 1932 zu deren Rettung berufen sah. Nach dem Tod des Eigentümers wurde er Konzessionär der „Hirschapotheke“, die er trotz schwerer Kriegsjahre zur alten Blüte zurückführte. Es folgten für den Junggesellen („Für eine Familie hatte ich einfach gar keine Zeit!“) 27 Jahre, in denen er sich auf ein Neues auch in Dülmen als engagierter Förderer des Heimat- und Kulturgedankens einbrachte und zu einem der angesehensten Bürger seiner letzten Lebensstation avancierte.

Hunderte kleinerer und größerer Beiträge zur Dülmener Geschichte, zumeist abgedruckt in Tageszeitungen und Heimatblättern, hinterließ das Ehrenmitglied des dortigen Heimatvereins, der ihn immer wieder als „rührigsten Mitarbeiter“ hervorhob, seiner geliebten Wahlheimat, die ihn im Jahre 1958 mit der Verleihung der „Kulturplakette der Stadt Dülmen“ ehrte und sogar eine Straße nach ihm benannte.

Am 25. Januar 1960 schloss der Sohn des Hunsrücks im gesegneten Alter von 82 Jahren nach einem erfüllten Leben für immer seine Augen. Auf eigenen Wunsch fand er seine letzte Ruhestätte auf dem alten Friedhof in Bad Driburg, den er während seiner dortigen Wirkungszeit im Auftrag der Kirchengemeinde von „einer Wildnis zu einem wahren und würdigen Gottesacker“ umwandelte.

Quellen / Literatur

  • Lebenslauf und Erinnerungen eines Apothekers, Dülmen/Westfalen, 1953.
  • Dülmener Heimatblätter, Nrn. 2/1958 und 1/1960.

Jürgen Johann, Boppard
Heft 176 | Stand: 10/2020