Heß, Bertha Johanna Mathilde

Bertha Johanna Mathilde Heß
* 15.10.1885 in Baumholder
† 11.04.1959 in Dickenschied
Vater: Peter Wilhelm Heß (Pfarrer, Kreisschulinspektor, Superintendent)
Mutter: Auguste Mathilde, geb. Uge

Biografie

Bertha Johanna Mathilde Heß, geb. Heß, wurde am 15. Oktober 1885 als drittes Kind von Auguste und Wilhelm Heß in Baumholder geboren. Ihr Vater stammte aus Altweidelbach im Hunsrück und war Pfarrer in Baumholder, Kreisschulinspektor und Superintendent des Kirchenkreises St. Wendel. Bertha Heß wuchs im evangelischen Pfarrhaus auf. Nach der Schulzeit wurde sie Schülerin des anthroposophisch geprägten Malers Hans Brasch in Frankfurt und studierte an den Kunstakademien in Mannheim, Frankfurt, Paris und Köln.

1923 heiratete sie ihren Cousin, den Lehrer Dr. Martin Heß. Sie zogen nach Köln-Hohlweide. Bertha Heß wurde Mitglied der „Gesellschaft der Freunde“ (Quäker), einer pazifistischen Freikirche, die jegliche Form von Gewalt ablehnt. Durch den Beruf des Ehemanns zog Bertha Heß mehrmals um: Zunächst von Köln nach Berg-Nassau, dann nach Meisenheim/Glan, Simmern/Hunsrück und zuletzt nach Dickenschied/Hunsrück. Dort starb Bertha Heß am 11. April 1959 und wurde auf dem Friedhof in Altweidelbach beerdigt.

Bertha Heß malte von Anfang des 20. Jahrhunderts bis in die fünfziger Jahre hinein. Ihre Werke folgten den Kunstepochen: Naturalismus, Impressionismus und Expressionismus. Schon früh wurde ihr zeichnerisches Können deutlich. Sie illustrierte ihre Tagebücher, zeichnete und malte Portraits, Pflanzen und Landschaften. Diese frühen Bilder zeigen ihre genaue Beobachtungsgabe und ihr zeichnerisches Können. Als Schülerin des Malers Hans Brasch erweiterte Bertha Heß ihr Können und übernahm die anthroposophisch geprägte Farbgebung. Ihr Studium in den Kunst-Akademien in Mannheim, Frankfurt, Paris und Köln war für eine Frau Anfang des 20. Jahrhunderts sehr erstaunlich.

Sie lernte an den Akademien vielfältige Techniken. Ihre Landschafts- und Blumenbilder spiegeln nach und nach einen tieferen impressionistischen Charakter der Natur wider. Sie bediente sich vielfältiger Techniken: Aquarell, Tusche, Kohle, Pastellkreide und Öl. Etwa 1930 stellte sie in Siegen in der Kunststube Pflanzenbilder aus, ihr Bruder praktizierte damals als Arzt in Siegen. 1934 beteiligte sie sich im Kölnischen Kunstverein in Köln an einer Ausstellung. Bertha Heß entwickelte einen expressionistischen Stil, kräftigere Farben bestimmten ihre Gemälde, ihre Empfindungen spiegelten sich stärker in den Bildern wider.

In der Zeit des Nationalsozialismus lebte sie sehr zurückgezogen. Der Krieg, der soldatische Kriegsdienst ihres Ehemanns und das Schicksal der leidenden Menschen, besonders der Juden, nahmen sie sehr mit. Sie malte in dieser Zeit einige sehr gewaltkritische Bilder (z.B. das Bild „Buchenwald“). Seitdem malte sie immer mehr religiöse Bilder, diese und auch andere wurden von ihr durch Symbole in einen größeren Zusammenhang gestellt, alles Teil des Ganzen, des Kosmos, des Göttlichen. 1953 stellte Bertha Heß im Kunsthaus Becker in Bad Kreuznach und 1956 im Landratsamt in Simmern aus.

Neben Gemälden und Zeichnungen schuf sie auch Plastiken, Gedichte und Prosatexte. Bei der Ausstellungseröffnung 2007 in Simmern beschrieb Regierungspräsident a.D. Gerd Danco Bertha Heß als „eine zierliche, zarte Frau, mit scheuen tiefdunklen Augen, scharf sehend, freundlich und gütig.“ In Simmern ist inzwischen eine Straße nach Bertha Heß benannt. Größere Ausstellungen mit Gemälden von Bertha Heß gab es in Wuppertal, Kirchliche Hochschule (1976), Simmern, Stephanskirche (2007) und im Hunsrück-Museum (2024).

Quellen / Literatur

  • Achim R. Baumgarten, 1000 Jahre Altweidelbach, Altweidelbach 2007, S. 746f.
  • Dieter Böhm, Malerin stand im Schatten von Ströher, in: Rhein-Hunsrück Zeitung vom 19. Februar 2002.
  • Otto Dinkela, Das Kunstwerk der Woche, in: Siegener Zeitung (1930).
  • Ute Haug, Der Kölnische Kunstverein im Nationalsozialismus, 1998, S. 149, 266, 299, 429, 453, 952f., 1106 (https://d-nb.info/964928477/34, Aufruf 01.04.2023).
  • Michael Hammes, Die wahre Kunst will künden, in: Hunsrücker Zeitung vom 7. November 1956.
  • Gottfried Heß, Dr. Martin Friedrich Heß (Hunsrücker Biographie), Beilage in Hunsrücker Heimatblätter, Heft 183/2023.
  • Gottfried Heß, Simmern, privates Archiv.
  • Dr. L., Eva und die Blume, in: Öffentlicher Anzeiger für Bad Kreuznach und Umgebung vom 7. Juli 1953.
  • Karl Windhäuser, In Memoriam Berta Heß, in: Hunsrücker Zeitung (April 1959).
  • Internet, Werke von Bertha Heß: https://read.bookcreator.com/DmDIzghPstTiOdlwdv0RfzxTyNx2/FBqHEqnpSca_CihW4zB6_w.

Gottfried Heß, Simmern
Heft 182 | Stand: 4/2023