
† 25.02.1974 in Argenthal/Hsr.
Vater: Martin Heß (Kaiserlicher Staatsförster)
Mutter: Maria Philippina, geb. Engelmann
Biografie
Friedrich Martin Heß wurde am 9. Oktober 1894 in Rüdesheim als Sohn des Försters Martin Heß und der Maria Philippine Heß, geb. Engelmann, geboren. Sein Vater stammte aus Altweidelbach/Hsr., seine Mutter aus Argenthal. In Limburg/Lahn machte er 1913 das Abitur. Nach drei Semestern Studium der Evangelischen Theologie in Heidelberg und Berlin wurde sein Studium durch den Krieg unterbrochen. Von August 1914 bis Dezember 1918 war er Soldat bei der Artillerie. 1917 wurde er Leutnant. Nach dem Ersten Weltkrieg studierte Martin Heß Theologie und Philologie in Frankfurt/Main und Marburg/Lahn. Er promovierte 1921 mit der Arbeit: „Die Geschichte des Frankfurter Armen-, Arbeits- und Waisenhauses 1679 – 1810“. Anschließend war Dr. Martin Heß in Frankfurt und Kassel in der Jugendfürsorge tätig.
1923 heiratete er seine Cousine, die Malerin Bertha Heß aus Baumholder. 1925 legte er die Prüfungen für das Lehramt an höheren Schulen in Religion und Geschichte ab und ergänzte später die Prüfung in Deutsch als Hauptfach. Als Studienassessor war er an Schulen in Diez/Lahn und Frankfurt. 1928 bekam er eine Anstellung am Gymnasium in Köln-Mühlheim als Studienrat und wirkte dort bis 1940. Von Juni 1940 bis Juni 1945 war Dr. Martin Heß bei der Wehrmacht als Batallions-Adjutant und Kompanieführer, Hauptmann der Reserve. Nach dem Krieg wurde Dr. Martin Heß zunächst Regierungs- und Schulrat der Bezirksregierung Koblenz und übernahm dann 1946 die Leitung der Pädagogischen Akademie Bergnassau als Direktor. Kurz war er Oberstudiendirektor im Paul-Schneider-Gymnasium in Meisenheim und dann von 1950 bis 1958 Oberstudiendirektor des Herzog-Johann-Gymnasiums in Simmern (Schulleiter).
1958 wurde er in Altweidelbach zum Hilfsprediger (Prädikant) ordiniert. In seinem „Ruhestand“ übernahm er von 1958 bis 1961 die vakante Pfarrstelle Dickenschied-Womrath. 1959 starb seine Ehefrau. 1961 heiratete er erneut: Maria Stegmann geb. Müller, und er adoptierte ihren Sohn Gottfried. Zur Welt kam 1962 der Sohn Martin. Er kaufte ein Haus in Argenthal und übernahm bis 1971 Predigtvertretungen. Am 25. Februar 1974 verstarb Dr. Martin Heß in Argenthal und wurde in Altweidelbach beerdigt.
Dr. Martin Heß war für seine Zeit fortschrittlich gesinnt, er begrüßte 1918 die Republik und war im Vorstand der „religiösen Sozialisten“ und zeitweise Mitglied der SPD. Er verfasste eine sehr fortschrittliche „Denkschrift über Schul- und Erziehungsfragen in Rheinland-Pfalz“, die aber wenig Beachtung fand („Autoritäre Methoden … können keine Demokraten erziehen“). Er war mit Leib und Seele Lehrer, er war streng, aber gerecht und verschaffte sich Achtung und Ehrfurcht. Mit viel Freude unterstütze er seine erste Frau als Malerin, er gestaltete ihr ein Atelier und unterstütze sie bei Ausstellungen.
Am Schluss wirkte er im Hunsrück, der Heimat seiner Eltern. Er hielt neben seinem Schuldienst Vorträge, so am Reformationsjubiläum 1957 in der Stephanskirche in Simmern („Haben Evangelische das Reformationserbe unserer Väter recht behütet?“). Als Sohn eines Försters liebte er den Wald. Noch an seinem letzten Lebenstag machte er einen langen Spaziergang mit seinem Hund im Soonwald. Er hatte eine umfassende Bibliothek, als letztes las er ein Buch über Metaphysik.
Quellen / Literatur
- Franziska Augstein, Rhein-Gymnasium Köln, 1932 – 1940 (http://www.rheingymnasium.de/index.php?option=com_content&task=view&id=50&Itemid=40)
- Wolfgang Heinemann, Dr. Martin Heß – Schulleiter des Gymnasiums Simmern in schwieriger Zeit vom 1. Januar 1950 bis 31. März 1958, in: Hunsrücker Heimatblätter 131, Jg. 46, S. 542-556.
- Karl Georg Böhmer (Hrsg.), Bio-Chronik, Simmern 1966, S. 45f.
- Gottfried Heß, Bertha Heß (Hunsrücker Biographie), Sammelblatt in Hunsrücker Heimatblätter 182 (2023).
- Gottfried Heß, Simmern, Privates Archiv.
- Dr. Martin Heß, Sozialismus und Kirche, in: Das Evangelische Rheinland, hrsg. von Liz. L. Seiler, 1931, S. 81-82.
- Dr. Martin Heß, Brief an die Eltern, Simmern 12.7.1956. (zur Verfügung gestellt von Klaus-Uwe Witt)
- Herzog-Johann-Gymnasium, Schulleiter (https://de.wikipedia.org/wiki/Herzog-Johann-Gymnasium).
- Dr. Kurt Schrey, Festschrift – Städtisches naturwissenschaftliches Gymnasium Köln Mühlheim, S. 103.
Gottfried Heß, Simmern
Heft 183 | Stand: 4/2023
