
† 17.09.1179 im Kloster Rupertsberg bei Bingen
Vater: Hildebert von Hosenbach
Mutter: Mechtild „aus Trier“ (?), Tochter des Roricus
Biografie
Nach den Forschungsergebnissen von Josef Heinzelmann wurde Hildegard von Bingen zwischen Mai und September 1098 in (Nieder-)Hosenbach als zehntes Kind des edelfreien Hildebert von Hosenbach und seiner Frau Mechtild, die als Tochter eines Roricus wahrscheinlich aus Trier stammte, in Niederhosenbach (und nicht, wie man lange glaubte, in Bermersheim) geboren. Die Familie stand in enger Verwandtschaft zu den Herren von Braunshorn, denen von Dicka, von Kessel und anderen adligen Familien im Hunsrück. Von ihren Geschwistern sind nur die Brüder Drutwin, Rorich und der Mainzer Domkantor Hugo eindeutig belegt, die Schwestern Irmengard, Odilia, Judda und Clementia sind äußerst unsicher, ein weiterer Bruder könnte Domkanoniker in Mainz gewesen sein.
Von den Eltern als Oblatin dargebracht, wurde sie ab 1106/7 zusammen mit Jutta von Sponheim drei Jahre zu der Witwe Uda von Göllheim zur Erziehung gegeben. Sie wurde nicht von Jutta von Sponheim selbst erzogen! Möglicherweise kehrte sie danach nochmals zur Familie zurück und wurde nach der Novizinnenzeit am 1. November 1122 zusammen mit Jutta von Sponheim im Beisein von Bischof Otto I. von Bamberg im Benediktinerkloster Disibodenberg als Inkluse aufgenommen.
Am 22. Dezember 1136 starb Jutta von Sponheim und Hildegard wurde ihre Nachfolgerin als Magistra der Inklusen. Als solche erlebte sie am 29. September 1143 die Weihe der Klosterkirche Disibodenberg durch Erzbischof Heinrich. Wegen häufiger Auseinandersetzungen mit dem Abt betrieb Hildegard ab 1147 den Gründungsprozess des Klosters Rupertsberg bei Bingen, 1150 siedelten die Nonnen dorthin über und Hildegard übernahm die Leitung. Auch hier kam es wiederholt zu Auseinandersetzungen mit der Kirchenführung, meist wegen zu großer Lockerung der Askese. 1165 erwarb Hildegard das leerstehende Kloster Eibingen und gründete dort ein Tochterkloster.
Hildegard von Bingen war eine erstaunliche Persönlichkeit; sie war selbstbewusst, charismatisch, manchmal in sich gekehrt, nicht konfliktscheu und reiselustig. Ihre visionären, natur- und heilkundlichen Schriften machten sie äußerst populär, ihre musikalischen Schriften erstaunten die Zeitgenossen. Sie gilt als eine der größten Universalgelehrten des Hochmittelalters. Seit 1141 hatte sie Visionen, die sie zusammen mit ihrer Vertrauten Richardis von Stade und Propst Volmar niederschrieb und die sie vor der theologischen Kritik schützten. Sie selbst zweifelte an deren göttlichen Ursprung. 1147 erhielt sie vom Papst die Erlaubnis, sie zu veröffentlichen.
Hilgegard von Bingen starb am 17. September 1179. 1584 wurde sie ins Verzeichnis der Heiligen aufgenommen. 2012 erhob Papst Benedikt XVI. die heilige Hildegard zur Kirchenlehrerin. Auch in der anglikanischen, der alt-katholischen und der evangelischen Kirche wird am 17. September ihrer gedacht.
Quellen / Literatur
Aus der nicht mehr überschaubaren Zahl der Werkausgaben und Sekundärliteratur seien nur genannt:
- Josef Heinzelmann, Hildegard von Bingen und ihre Verwandtschaft. Genealogische Anmerkungen, in: Jahrbuch für westdeutsche Landesgeschichte 23 (1997), S. 7-88.
- Wolfgang Hey, War Hildegard von Bingen eine Hunsrückerin? Neue Erkenntnisse über ihre Abstammung, in: Jahresheft 2009 des Hunsrückvereins, S. 64-68.
- Antonius van der Linde, Hildegard, Sanct, in: Allgemeine Deutsche Biographie, Bd. 12 (1880), S. 407f. (überholt)
- Willy Mathern, Männer des Hunsrück- und Nahelandes, Trier 1952, S. 263-269. (überholt)
Dr. Achim R. Baumgarten, Simmern
Heft 173 | Stand: 12/2019
