Icus-Rothe, Wanda Wilhelmine Eugenie Franziska Charlotte Emilie Ottilie

Wanda Wilhelmine Eugenie Franziska Charlotte Emilie Ottilie Icus-Rothe
* 21.11.1875 in Sensweiler
† 10.08.1947 in Hildesheim
Vater: Friedrich Wilhelm Schonebohm (Pfarrer)
Mutter: Emilie Wilhelmine Julie Agnes Eugenie Anna, geb. Maurer

Biografie

Wanda Icus-Rothe wurde als erstes Kind des seit 1873 in Sensheim tätigen Pfarrers Friedrich Schonebohm (1842-1910) im November 1875 geboren. Im Pfarrhaus dieses Dorfes verbrachte sie ihre Kindheit und Jugend, die sie später so lebendig und anschaulich schildern konnte. Drei Geschwister folgten: am 6. Februar 1879 die Zwillinge Karl Fritz Adolf Julius Erich Ernst Waldemar und Ulrike Charlotte Maria Elisabeth Melanie und am 24. Januar 1886 der Bruder Friedrich Wilhelm. Neben dem Volksschulunterricht erhielt sie von ihrem Vater Unterricht in Fremdsprachen und Germanistik.

In noch jungem Alter heiratete Wanda den Leutnant d.R. und Zollbeamten Richard Icus-Rothe, der aber schon im Jahr 1900 in Duisburg starb. Wanda, erst 24 Jahre alt, zog nun mit ihrer Tochter Else (spätere Ehefrau des Schriftstellers Bloem) in den Haushalt ihrer Eltern zurück, die, nachdem der Vater 1906 in den Ruhestand getreten war, nach Berlin übersiedelten. Kurz darauf starb die Mutter, der Vater zog zu seinen anderen Kindern ins Saargebiet.

Wanda löste den Haushalt auf und heiratete 1914 in zweiter Ehe den Leiter der Roman-Abteilung des Scherl-Verlages und Chefredakteur der Zeitschrift „Gartenlaube“, Heinz Amelung (1880-1940), den sie inzwischen in Berlin kennen gelernt hatte. Dieser erkannte und unterstützte ihr schriftstellerisches Talent und druckte kleine Erzählungen von ihr, Erinnerungen an ihre Jugendzeit in Sensweiler, in seiner Zeitschrift ab. 1921 wurden diese Erinnerungen in Leipzig als Buch unter dem Titel „Sonne der Heimat. Meine Jugend auf den Höhen des Hunsrücks“ und unter ihrem Schriftstellernamen Wanda Icus-Rothe zusammengefasst herausgegeben; sie wurden bei der Leserschaft äußerst positiv aufgenommen und machten die Autorin auf einen Schlag sehr bekannt.

In 24 Episoden schilderte sie den dörflichen Alltag um 1900, wobei sie sich trotz aller zu spürender Wehmut und Heimatseligkeit in den aneinander gereihten Geschichten um eine realistische Darstellung bemühte. Die Zuneigung zu ihrer alten Heimat, ihre scharfe Beobachtungsgabe und der warmherzige, gut lesbare Ton ihres Erzählstils heben das Erinnerungsbuch von ähnlichen Werken deutlich ab. Heute hat das Buch vor allem volkskundlichen Wert, weil es die Hunsrücker Bräuche, Anschauungen und Zustände, kurz die Lebenswirklichkeit um die Jahrhundertwende vom 19. zum 20. Jahrhundert, anschaulich wiedergibt.

In den letzten Lebensjahren blieben Wanda Icus-Rothe leidvolle Erfahrungen nicht erspart. Ihr zweiter Mann Heinz Amelung starb am 22. September 1940, erst 60 Jahre alt, an einem Gehirnschlag. Durch die Kriegsereignisse wurde ihr gepflegtes und vornehmes Haus in Berlin vollständig vernichtet. Danach zog sie zu Verwandten nach Hildesheim, wo sie im August 1947 verstarb.

Ihre frühen, patriotisch angehauchten Werke (wie etwa ihr Buch „Unsre Kriegshelden“, das 1915 erschienen war) wurden in der sowjetischen Besatzungszone auf den Index gesetzt und aus den Bibliotheken entfernt. In ihrer Hunsrückheimat aber blieb ihre Wertschätzung ungeschmälert. Eine aus den USA zurückgekehrte Sensweilerin und ihr Mann Charles Byzio erbauten 1953 bei Sensweiler ein heute nicht mehr bestehendes Hotel und nannten es in Erinnerung an Wanda Icus-Rothe „Sonne der Heimat“.

Quellen / Literatur

  • Rudolf Christmann, Icus-Rothe, Wanda, in: Kurzbiographien vom Mittelrhein und Moselland, S. 174.
  • Die evangelischen Pfarrerinnen und Pfarrer im Rheinland von der Reformation bis zur Gegenwart, bearb. von Jochen Gruch, Band 4: S-Z, Bonn 2020, S. 159 (Schonebohm, Friedrich Wilhelm).
  • Hugo Klar, Dichter und Dichtung des Hunsrücks, in: Hunsrückkalender 1957, S. 38-48.
  • Willy Mathern, Wanda Icus-Rothe, die Hunsrücker Heimatschriftstellerin, in: Hunsrückkalender 1961, S. 101f.
  • Rheinland-Pfälzische Personendatenbank (Icus-Rothe, Wanda).
  • Karl Windhäuser, Als die Dampflok noch nicht auf dem Hunsrück fuhr – Wanda Icus-Rothe erzählt, in: Rhein-Hunsrück-Kalender 1981, S. 86-91.

Dr. Achim R. Baumgarten, Simmern
Heft 176 | Stand: 12/2020