
† 14.06.1967 in Simmern/Hunsrück
Vater: Jakob Ihrle (Steuerassistent)
Mutter: Anna, geb. Schönberger
Biografie
Als Pädagoge und Hunsrücker Heimatforscher war Heinrich Ihrle weit über die Grenzen seiner Heimat hinaus bekannt und geachtet.
Als zweites von fünf Kindern wurde er am 20. Juni 1905 in Simmern geboren. Nach Volksschule, Realgymnasium und Präparandenanstalt in Simmern besuchte er ab 1922 das Lehrerseminar in Neuwied, das er 1925 mit der Ersten Lehrerprüfung abschloss. Aufgrund fehlender Planstellen wurde er als Lehrer und Erzieher den Schmiedelanstalten bei Simmern zugeteilt. Eine Weiterbildung ab 1929 beim Jugend- und Wohlfahrtsamt in Simmern musste er nach dem plötzlichen Tod seines Vaters 1930 abbrechen. Er nahm seine ehemalige Tätigkeit bei den Schmiedelanstalten wieder auf, um die Ausbildung seiner jüngeren Geschwister finanziell sichern zu können. In dieser Zeit lernte er seine spätere Frau Paula geb. Buse kennen, eine Gewerbelehrerin mit Hunsrücker Wurzeln.
Zum 1. Januar 1935 übernahm er, nachdem er als Hilfslehrer in Argenthal, Raversbeuren und Stürzelbach/Ww. gearbeitet hatte, die Schulstelle in Hasselbach/Hunsrück, wo er 1937 seine Zweite Lehrerprüfung ablegte. In Hasselbach legte er einen Schulgarten an, war Mitinitiator sowohl einer Süßmostanlage des Obst- und Gartenbauvereins als auch einer Hühnerzucht. Schon Jahre zuvor hatte er sich mit Heimatgeschichte befasst und war maßgeblich an der Gründung des Hunsrückmuseums in Simmern beteiligt gewesen.
1936 wurde er zusammen mit dessen Leiter, Rektor Karl Wagner aus Simmern, vom Provinzialmuseum Bonn mit der Freilegung der Gräberfelder, die beim Ausbau des geplanten Flugplatzes zwischen Bell und Hasselbach zutage getreten waren, beauftragt. Nach dem tödlichen Unfall von Karl Wagner 1938 wurde ihm die erwartete Museumsleitung aufgrund fehlender Parteizugehörigkeit verwehrt. Am 3. September 1939 stellte er Antrag auf Aufnahme in die Partei, die zum 1. Januar 1940 gewährt wurde (Mitgliedsnummer 7.399.013). Er bat um Versetzung und wurde im März 1940 in den Regierungsbezirk Danzig abgeordnet; 1941 übernahm er als kommissarischer Rektor eine 16-klassige Mädchenschule in Heiderode/Westpreußen. Im August 1944 wurde er zum Kriegsdienst einberufen; im April 1945 geriet er in amerikanische Gefangenschaft, während seine Frau mit den beiden Töchtern auf der Flucht war.
Im Januar 1947 traf die Familie in Spesenroth/Hunsrück endlich wieder zusammen. Nach der „Entnazifizierung“ übernahm Ihrle ab Februar 1948 die Schulleitung in Argenthal, die er bis zu seinem Tod 1967 innehatte. Durch die Zusammenarbeit mit Karl Wagner hatte er sich zu einem Spezialisten für frühgeschichtliche Ausgrabungen entwickelt und leistete wertvolle Hilfe bei der Erstellung von dessen Buch „Simmern im Wandel der Zeit“, erschienen 1930.
Nach dem Krieg stieg er in die Hunsrücker Früh- und Vorgeschichtsforschung wieder ein, erarbeitete sich in breites Wissensspektrum in Wappenkunde und Flurnamenforschung und erweiterte seine numismatischen Kenntnisse, die später in Fachkreisen, u.a. von der Universität Bonn, hoch geschätzt wurden. Als Mitglied des Hunsrücker Geschichtsvereins veröffentlichte er zahlreiche Artikel, die landesweit Anerkennung fanden.
Seine pädagogischen Ziele verlor er dabei nie aus den Augen, so z.B. als Mitarbeiter des Sachbuches für den Heimatkundeunterricht. Als Gemeinderatsmitglied war er jahrelang aus dem politischen Leben von Argenthal nicht wegzudenken.
Quellen / Literatur
- Lebenslauf, erstellt von Heinrich Ihrle, freundlicherweise zur Verfügung gestellt von seiner Tochter Gudrun Ihrle-Glagau, Norderstedt.
Doris Wesner, Simmern
Heft 154 | Stand: 2/2014
