Kahlenberg, Prof. Dr. Friedrich Peter

Prof. Dr. Friedrich Peter Kahlenberg – Foto: Oktober 1999; Bundesarchiv, Koblenz/Privatbesitz
* 29.10.1935 in Mainz
† 16.07.2014 in Boppard
Vater: Heinrich P. Kahlenberg (1900-1941, selbstständiger Elektrikermeister; eigenes Elektro- und Installationsgeschäft in Mainz ab 1928)
Mutter: Elisabeth Katharina, geb. Berg (1904-1985, Buchhalterin)

Biografie

Friedrich P. Kahlenberg wuchs, in Mainz geboren, vorwiegend im Odenwald auf (der Vater wurde im Zweiten Weltkrieg an der Ostfront vermisst), er besuchte die Volksschule in Niedernhausen/Fischbachtal, die Gymnasien in Groß-Bieberau und Wiesbaden (ebd. Vorsitzender der SMV, Mitarbeit an der Schülerzeitschrift „Die Lupe“) und studierte ab 1956 an der Universität Mainz Geschichte, Germanistik, Philosophie, Kunstgeschichte, Indologie und Ev. Theologie. 1963 promovierte er mit einer Arbeit über Kurmainzische Verteidigungseinrichtungen und die Baugeschichte der Festung Mainz im 17. und 18. Jahrhundert. Die Habilitation erfolgte 1970. Für Verwaltungslehre und moderne Akten- und Quellenkunde übernahm er 1973 eine Honorarprofessur an der Universität Mannheim. Ab den 1970er Jahren übernahm er zudem immer wieder Lehraufträge an verschiedenen Universitäten im In- und Ausland, u.a. Mannheim, München und Dublin.

Schon 1962 hatte er seine berufliche Laufbahn als Archivar mit Eintritt ins Bundesarchiv in Koblenz sowie dem Besuch der Archivschule in Marburg (Abschluss 1964) begonnen. 1964 wurde er Archivrat, 1971 Archivdirektor. Er durchlief alle Stufen der Archivlaufbahn, die 1989 mit dem Amt des Präsidenten des Bundesarchivs gekrönt wurde. Zehn Jahre lang stand er der Behörde vor.
Seine bedeutendste Aufgabe war – neben dem Aufbau des Zwischenarchivs in St. Augustin-Hangelar 1971 – die Neuorganisation und Zusammenführung des Archivwesens nach der Wiedervereinigung, als die zentralen Archive der ehemaligen DDR und der BRD miteinander verschmolzen werden mussten.

Friedrich P. Kahlenbergs besonderer Einsatz galt dem Film und dem Rundfunk. Innerhalb des Bundesarchivs baute er ab 1964 das Filmarchiv als eigene Abteilung auf und leitete diese. Fachliche Akzente setze er nicht nur im Ausbau umfangreicher Sammlungs- und Sicherungstätigkeit, sondern vor allem hinsichtlich der Neuinitiierung von Initiativen zur Nachkriegsüberlieferung, Filmförderung und Erhaltung des audiovisuellen Erbes. Hervorzuheben ist die Gründung des Deutschen Kinematheksverbunds, ein Zusammenschluss zwischen Bundesarchiv, Deutschem Institut für Filmkunde und Berliner Stiftung Deutsche Kinemathek (1978). 1976 war er als Gastdozent an der Hochschule für Film und Fernsehen in München tätig. Unzählige fachliche Publikationen brachte sein medienhistorisches Engagement hervor, u.a. eine Geschichte des Südwestfunks (Düsseldorf, 1986, zusammen mit Franz-Josef Heyen) oder das Begleitbuch »Abenteuer Revolution« (München 1986; gemeinsam mit Dietrich Mack) zum vierteiligen SWF-Fernsehfilm »Lenz oder die Freiheit« (nach dem Roman von Stefan Heym).

Zahlreichen Fachkommissionen und Beiräten gehörte er an bzw. war deren Vorsitzender, u.a. dem Studienkreis Rundfunk und Geschichte, der Hessischen Historischen Kommission in Darmstadt, der Deutsch-Russischen Historikerkommission, der Kommission für Geschichte des Parlamentarismus und der Politischen Parteien oder auch der Kommission zur Überprüfung der umstrittenen Wehrmachtsausstellung. Er war Mitglied in Wissenschaftlichen Beiräten, Herausgeber und Mitherausgeber zahlreicher Schriften.

Bis zu seinem Tod betätigte sich Friedrich P. Kahlenberg aktiv als Wissenschaftler. So war er auch Vorsitzender der Kommission des Landtages für die Geschichte des Landes Rheinland-Pfalz. 2012 mündete diese Tätigkeit in der Herausgabe eines mehrbändigen Werkes: „Kreuz-Rad-Löwe – Rheinland-Pfalz. Ein Land und seine Geschichte. Vom ausgehenden 18. bis zum 21. Jahrhundert“ (Mainz, 2012, zusammen mit Michael Kißener).

Als Wissenschaftler war Friedrich P. Kahlenberg durchgängig engagiert, weitblickend, verbindend. Als Vorgesetzter wurde er als umgänglich, menschlich, mitreißend und motivierend wahrgenommen. Er schätzte die unmittelbare Kommunikation, den Austausch, schriftlich wie mündlich, und führte viele Korrespondenzen über seine Pensionierung hinaus weiter. Empathie, Bescheidenheit, Herzensgüte zeichneten ihn als Mensch und Mentor aus.

Privat schätzte der verheirate Historiker die Ruhe und Abgeschiedenheit. Der Hunsrück wurde seine Wahlheimat. Drei Kinder wurden geboren. Der zu frühe Tod seines als Maler, Grafiker und Illustrator künstlerisch hervorgetretenen ältesten Sohnes Heinrich P. Sven (1962-2010), Inhaber der Landwehrgalerie in Darmstadt, traf ihn hart. Am 16. Juli 2014 starb Friedrich P. Kahlenberg nach langer, schwerer Krankheit.

Quellen / Literatur

  • Günter Benser, Friedrich P. Kahlenberg (1935-2014), in: Bewahren – Verbreiten – Aufklären, hg. von Günter Benser u.a., Supplement, Bonn 2017, S. 26-36.
  • „Ex-Präsident des Bundesarchivs ist tot“, in: Rhein-Hunsrück-Zeitung vom 22. Juli 2014.
  • Michael Hollmann, Friedrich P. Kahlenberg †, in: Archivar 67 (2014), S. 455f.
  • „Erinnerungen an Friedrich Peter Kahlenberg“, Nachruf von Heiner Schmitt, Juli 2014 (Studienkreis Rundfunk und Geschichte).
  • Private Quellen und Korrespondenzen.

Dr. Achim R. Baumgarten, Simmern
Heft 186 | Stand: 1/2024