
۞ 08.10.1941 in Beverly Hills, CA (USA)
Vater: Isaak Kahn (Metzger und Kaufmann)
Mutter: Theresia, geb. Mayer
Biografie
Gustav Gerson „Gus“ Kahn wurde am 6. November 1886 in Bruschied geboren. Er hatte fünf Geschwister. Sein Vater war als Metzger und Kaufmann tätig, bevor die gesamte Familie 1892 in die USA auswanderte, wo man sich zunächst aufgrund von Verwandtschaftskontakten in Chicago, IL, niederließ. Bereits während seines Highschool-Besuchs gewann Gus einen Songwriter-Wettbewerb. Nach dem Schulabschluss ging er zunächst einer Reihe verschiedener Tätigkeiten nach. Bereits zu dieser Zeit fand er seine Leidenschaft im Schreiben von Liedtexten.
Mit 22 Jahren traf er seine spätere Frau Grace Leboy (1890-1983), die zu diesem Zeitpunkt Mitarbeiterin in einem renommierten Musikverlag war. Sie selbst komponierte später einige Welthits wie „You Gave Me Anything But Love“. Grace Leboy erkannte das Songwriter-Potential ihres späteren Mannes und einer ihrer ersten gemeinsam getexteten und komponierten Lieder war „I wish I had a Girl“, der sofort ein Welthit wurde. Sie war damals gerade einmal 18 Jahre alt. Nach acht Jahren gemeinsamer professioneller Arbeit und längerer privater Zurückhaltung kam es schließlich 1915 zur Eheschließung zwischen beiden, eine Ehe, die bis zum Tode von Gus Kahn anhielt.
Seit diesem ersten Hit war Gus Kahns Musiktexter-Karriere ein Selbstläufer. Zunächst schrieb er überwiegend Liedtexte für amerikanische Vaudeville-Theater in New York, wo er mit berühmten Künstlern wie Buster Keaton und den Marx Brothers zusammenarbeitete. Mit der Verbreitung des Tonfilms ergaben sich für Songwriter wie ihn sowie für Musikkomponisten gänzlich andere Möglichkeiten, ihre Lieder zu veröffentlichen. Von nun an komponierte Gus Kahn Liedtexte, die u. a. in die Filmhandlungen eingefügt wurden. Bis heute werden Songs, deren Texte er geschrieben hat, in Filmen eingebettet. Alleine in über 40 Filmen erklang das Lied „It had to be you“ – wie z.B. in „Harry und Sally“.
Während Gus Kahn zunächst als Songwriter von Chicago aus für die New Yorker Bühnen und Hollywood-Filme tätig war, entwickelte sich eine äußerst kreative und erfolgreiche Zusammenarbeit mit dem Komponisten Walter Donaldson, die zu die amerikanische Kultur prägenden Songs führte und heute vielfach zum „Great American Songbook“ (vgl. Bloom) gehören. Gus Kahn gehörte zur „Tin Pan Alley“, dem Machtzentrum der amerikanischen Musikindustrie. Er verdiente ein Vermögen mit seinen Liedern und wollte eigentlich aus gesundheitlichen Gründen kürzertreten, als der Börsencrash 1929, in dem er fast sein gesamtes Vermögen verlor, ihn dazu zwang, weiterhin in großem Maße Songtexte zu schreiben.
Nach dem Tod seiner Mutter 1933 verließ er gemeinsam mit seiner Frau und seinen beiden Kindern, Donald und Irene, Chicago und zog an die Quelle der Filmindustrie, nach Hollywood, wo sich der Tonfilm immer mehr verbreitete. Hier arbeitete er eng mit den Studios von Metro-Goldwyn-Mayer (MGM) und RKO-Pictures zusammen. Gus Kahn wirkte auch an Operetten und Musicals mit Uraufführungen in New York mit. Für zwei Musical-Film-Musiken erhielt er den berühmten „Oscar“.
Gus Kahn zeigte sich auch engagiert für die allgemeinen Interessen von Musikern, Komponisten und Songwritern, in dem er sich u.a. als Vorstandsmitglied der ASCAP – American Society of Composers, Authors and Publishers – für die Zahlung von Gebühren durch die Radiosender an die Künstler einsetzte. Die ASCAP vertrat als Urheberrechtegesellschaft etwas 1.000 Komponisten.
Gus Kahn komponierte fast 800 Liedtexte und war damit zu seiner Lebenszeit der meistschreibende Songwriter. Er prägte wie wenige das Zeitalter der Swing-Musik. Er hinterließ ein bewundertes und umfangreiches Lebenswerk.
Quellen / Literatur
- Ken Bloom (2005), The American Songbook – The Singers, the Songwriters, and the Songs – 100 Years of American Popular Music – The Stories of the Creators and Performers, New York, Black Dog & Leventhal.
- Marie-Luise Conen (2022), Gus Kahn – Welthits aus dem Hunsrück, in: Rhein-Hunsrück-Kalender 2022, Simmern, S. 127-133.
- Spielfilm „I’ll See You in My Dreams” mit Doris Day (Trailer), https://www.youtube.com/watch?v=fHsO2ymOMGo&list=PLx2uqxgPc0DQ1IfLDTTmGznadTQzNlSHF&index=3 (Zugriff am 20.2.2021)
- John Tumpak (2006), Memories of Gus Kahn, in: IAJRC (International Association of Jazz Record Collectors) Journal, 49, 2, Summer, S. 8-10. https://www.proquest.com/openview/172ff4c2f7d0c81a2f53748fb83829bb/1.pdf?pq-origsite=gscholar&cbl=25292 (Zugriff am 20.2.2021)
Dr. Marie-Luise Conen, Hilden
Heft 182 | Stand: 3/2023
