
† 17.10.1920 in Bad Kreuznach
Vater: Carl Kanowsky (Privatier)
Mutter: Caroline, geb. Trarbach
Biografie
Carl Kanowsky wurde 1850 in Minden in Westfalen geboren. Schon früh verlor er seine Mutter; sein Onkel, Bürgermeister Trarbach in Büchenbeuren, übernahm seinen Unterhalt und seine Erziehung. Nach seiner Schulentlassung fand Kanowsky seine erste Anstellung bei der Amtsverwaltung Büchenbeuren. Als Freiwilliger diente er beim Rheinischen Infanterieregiment Nr. 29 in Simmern und nahm 1870/71 am Krieg gegen Frankreich als Unteroffizier teil.
1875 übernahm er die Bürgermeisterstelle in Brodenbach, wo er ein Jahr tätig war. Danach wechselte er nach Blankenrath (1876-1881), Puderbach (1881-1885) und Gemünden (1886-1895). Am 1. September 1895 wurde er zum kommissarischen Bürgermeister in Ohlweiler ernannt. Am 16. September 1895 zog er nach Simmern, verwaltete die Bürgermeistereistelle Ohlweiler bis zum 13. Juli 1896 und übernahm dann das Amt des Bürgermeisters von Simmern-Stadt und -Land. Nach 21 Jahren, am 1. Juli 1917, trat er in den Ruhestand und verstarb am 17. Oktober 1920 in Bad Kreuznach.
Am 3. Februar 1877 hatte Kanowsky in St. Arnual (jetzt Saarbrücken) Caroline Amalie Elise, geb. Gierig (* Hirschfeld 24.03.1857, † 16.01.1919, beerdigt in Simmern), geheiratet, mit der er mindestens vier Kinder hatte. Der einzige Sohn Carl Otto Gustav (* Gemünden 25.12.1887), cand. jur. in Bonn und Rechtskandidat, fiel – im Mai 1915 schon leicht verwundet – als Vizefeldwebel in den Kämpfen bei Korytnica am 27. September 1916. Sein Tod erschütterte Kanowsky und war ein Grund für seine bald darauf erfolgte Pensionierung.
Unermüdlich war Kanowsky für die Stadt Simmern und die Ortsgemeinden des Amtes tätig. Dies zeigt die große Zahl in seiner Amtszeit angefangener oder vollendeter Vorhaben. In Simmern wurde der Gemeinnützige Bauverein gegründet, das Ev. und das Kath. Krankenhaus, die neue Synagoge, ein Volksschulgebäude, das Realprogymnasium, eine städtische Turnhalle und die Gasanstalt gebaut, das Schloss umgebaut, auf das Stadthaus ein Stockwerk aufgesetzt, der neue Friedhof an der Straße nach Kümbdchen angelegt, die Ev. Kirche und der Glockenturm instand gesetzt, das Grabmal des Herzogs Reichard erneuert, der Bau des Kreishauses begonnen, ein Teil der Stadt kanalisiert, das Wasserwerk erneuert, die Feldgrasanlage an den drei Weihern vollendet, der Weg nach Mutterschied ausgebessert, der Bahnbau nach Kirchberg und Kastellaun beendet, der Bau der Bahnstrecke Simmern-Gemünden geplant usw.
Im Gebiet des Amtes wurden in 20 Gemeinden Wasserleitungen angelegt, in Altweidelbach, Bubach, Horn, Kisselbach, Klosterkumbd, Neuerkirch, Pleizenhausen und Rayerschied neue Schulhäuser gebaut, in Altweidelbach der Stierstall gebaut und der Weg nach Schnorbach/Argenthal, in Bergenhausen ein Gemeindebackhaus mit Saal errichtet, in Bubach ein Stierstall und der Weg nach Horn gebaut, in Horn ein Gemeindehaus errichtet, in Keidelheim ein Stierstall, in Kisselbach eine Molkerei, in Klosterkumbd ein Gemeindehaus gebaut, in Laubach die Straßenentwässerung angelegt, in Mutterschied das Schulhaus ausgebessert und ein Stierstall gebaut, in Niederkumbd der Friedhof angelegt, in Rayerschied und Kisselbach neue Kirchen errichtet, in Riegenroth entstand ein Stierstall, in Wahlbach ein Stierstall und ein Gemeindehaus usw., nicht zu nennen die zahlreichen Wegebauten von Ort zu Ort.
Am 18. Juni 1917 ernannte die Stadt Simmern Kanowsky auf Grund seines selbstlosen Einsatzes zum Wohle der Stadt zu ihrem Ehrenbürger und benannte die bisherige Eisenbahnstraße in Kanowskystraße um. Kanowsky wurde in Simmern auf dem neuen Friedhof an der Straße nach Kümbdchen beerdigt. Er erhielt ein auf Dauer durch die Stadt Simmern zu pflegendes Ehrengrab.
Quellen / Literatur
- Fritz Schellack, Aufzeichnungen von Karl Kanowski in der Chronik der Bürgermeisterei Gemünden, in: Hunsrücker Heimatblätter 146 (2011), S. 348-355.
- Hunsrücker Zeitung vom 19. Juni 1917, 24. Juli 1917, 29. Oktober 1920 (Todesanzeige).
- LHAKo, Best. 441, Nr. 15577.
- Rhein-Hunsrück-Archiv, Abt. 12, Nr. 19/13 (NL Siegel), Heft 19.
- StA St. Arnual, Heiraten, 3/1877.
- Privatarchiv Doris Wesner, Simmern.
Dr. Achim R. Baumgarten, Simmern
Heft 186 | Stand: 1/2024
