Karbach, Rolf (Jakob)

Rolf (Jakob) Karbach – Foto: Stadtarchiv Koblenz FA 1-024 Karbach
* 09.04.1908 in Bad Ems
† 15.03.1992 in Ellern
Vater: Jakob Karbach
Mutter: Margarete, geb. Kalt

Biografie

„Rolf“ Karbach wurde am 9. April 1908 als ältestes Kind (später wurden noch drei Schwestern geboren) des Küfers und Kassenboten Jakob Karbach geboren und erhielt von diesem den Vornamen Jakob. Von 1914 bis 1922 besuchte er die Volksschule in Arenberg. Nach dem Schulabschluss absolvierte er eine Architekturlehre in Koblenz und besuchte dann fünf Semester lang die Höhere Bauschule in Bingen. Nebenher ging er als Maurer in die Lehre, die er am 23. Juni 1928 mit der Gesellenprüfung abschloss. Am 28. Februar 1930 bestand er das Abschlussexamen in Bingen als Hochbautechniker mit Auszeichnung. Am 22. August 1940 wurde ihm hierfür von der Staatsbauschule Mainz ein Diplom als Bauingenieur ausgestellt.

Seit 1922 in der Wandervogelbewegung aktiv, gehörte Karbach mit nur 17 Jahren am 1. Mai 1925 zu den 11 Gründern der ersten NSDAP-Ortsgruppe des Rheinlands in Arenberg. Im Juni 1925 wurde er auch Mitglied der SA. Als sog. „Alter Kämpfer“ erhielt er im Februar 1934 das Ehrenzeichen der NSDAP. Zunächst war er im Saalschutz der SA aktiv, war SA-Pressewart in Darmstadt und führte dort zeitweilig den SA-Sturm 115. 1927 wurde er nach dem „Schwarzen Sonntag von Nastätten“ für drei Tage inhaftiert.

Ab Juni 1931 war Karbach hauptamtlicher Parteifunktionär in Koblenz, anfangs als Gaupropagandaleiter des neuen Gaues Koblenz-Trier. Zeitgleich trat er in die HJ ein und wurde Gauführer des HJ-Gebiets 12 (Westmark) im Rang eines HJ-Bannführers. Im April 1933 wurde Karbach zum Oberbannführer ernannt, ein Jahr später zum Gebietsführer und im April 1942 zum Obergebietsführer. Seit Beginn der 30er Jahre ersetzte Karbach den für ihn „undeutsch“ klingenden Namen Jakob allmählich durch Rolf, der Kurzform des „germanischen“ Namens Rudolf (einer Verschmelzung von Ruhm und Wolf). Seit 1934 war er Mitglied des Koblenzer Stadtrates und seit 1936 Mitglied des Reichstages.

Als überzeugter Nationalsozialist ließ Karbach nichts unversucht, die Jugend des Gaus in den Dienst der Partei und (nach 1939) der Kriegsführung zu stellen. In einer 16-seitigen Denkschrift vom 5. Oktober 1944 unterrichtete er Hitler persönlich über „Parteiführungsgegebenheiten“ im Gau und griff darin Gauleiter Simon wegen dessen Flucht aus Luxemburg scharf an. Doch statt der von Karbach erwarteten Absetzung Simons und seiner eigenen Einsetzung als Gauleiter verfügte Hitler seine Suspendierung als Obergebietsführer.

Zu Anfang des Zweiten Weltkrieges war Karbach bis zu einer schweren Verwundung am 13. Mai 1940 aktiver Soldat gewesen; nun bemühte er sich um eine Wiederverwendung. Im Februar 1945 wurde er SS-Hauptsturmführer der Waffen-SS und Befehlshaber der SS-Sperrgruppe „Kurfürst Balduin“ in Stromberg mit acht Offizieren, 51 Unteroffizieren und 472 Soldaten.

Nach Kriegsende gelang es ihm, als Wilhelm Keßler jahrelang im Taunus und im Marburger Land unterzutauchen. 1950 wurde er „entnazifiziert“ und meldete seinen Wohnsitz in Kirchberg an. Am 17. Juni 1936 hatte Karbach die damalige BDM-Untergauführerin Elisabeth („Elly“) Tenhaeff aus Ellern geheiratet; aus der Ehe gingen zwei Söhne und eine Tochter hervor. Nun trat er als Gesellschafter und Geschäftsführer des Werks in Kirchberg in die Möbelfabrik seines Schwiegervaters ein. Ein politisches Amt strebte er nicht mehr an (1960 Austritt aus der FDP), mischte sich aber mit zum Teil diffamierenden Anschuldigungen wiederholt in die Kommunalpolitik ein.

An der Entwicklung der Stadt Kirchberg nahm er großen Anteil und engagierte sich ehrenamtlich beim Bau des Pfadfinderheims, bei der Umgestaltung des Marktplatzes und der Rettung des Badischen Pavillons vor der Friedenskirche. In seiner Freizeit betätigte er sich als Jäger (in Womrath besaß er eine Jagdhütte) und Heimatforscher im Hunsrücker Geschichtsverein. 18 Beiträge erschienen in den Hunsrücker Heimatblättern, zwei Veröffentlichungen erschienen in der Schriftenreihe des Vereins.

Am 15. März 1992 starb Rolf Karbach in Ellern im Haus seines ältesten Sohnes. Er wurde in Womrath beerdigt.

Quellen / Literatur

  • Petra Weiß, Rolf Karbach – vom Hitlerjugend-Funktionär zum Heimatforscher, in: Jahrbuch für westdeutsche Landesgeschichte 42 (2016), S. 323-375.
  • Rolf Karbach, Interessanter Hunsrück, Schriftenreihe des Hunsrücker Geschichtsvereins 14, Kirchberg 1979 (Selbstverlag).
  • Rolf Karbach, Schöne Handwerksarbeiten im Hunsrück – in Holz, Stein und Eisen, Schriftenreihe des Hunsrücker Geschichtsvereins 15, Kirchberg 1981 (Selbstverlag).
  • Thomas Schnitzler, Karbach, in: Trierer Biographisches Lexikon, bearb. von Heinz Monz, Koblenz 2000, S. 208f. (Veröffentlichungen der Landesarchivverwaltung Rheinland-Pfalz. Bd. 87)

Dr. Achim R. Baumgarten, Simmern
Heft 169 | Stand: 8/2017