Kauer, Jakob

Jakob Kauer
* 28.11.1881 in Heinzenbach
† 21.10.1954 in Emmelshausen/Simmern
Vater: Konrad Kauer (Bauer)
Mutter: Maria Elisabetha, geb. Graeff

Biografie

Jakob Kauer wurde 1881 als ältestes Kind seiner Eltern in Heinzenbach geboren. Nach der achtjährigen Volksschule besuchte er ab 1896 die Königliche Präparandenanstalt in Simmern, danach von 1898 bis 1901 das Lehrerseminar in Neuwied. Im August 1901 bestand er die Erste Lehrerprüfung und verwaltete ab dem 1. Oktober 1901 die evangelische Schulstelle in Laubach. Vom 30. September 1902 an leistete er seinen einjährigen Militärdienst ab. Danach wurde ihm 1903 die evangelische Schule Riegenroth übertragen, der er 45 Jahre lang bis 1948 vorstand. Bis 1906 besuchten auch die evangelischen Kinder aus Laudert diese Schule. Danach musste Kauer ihnen in Laudert ev. Religionsunterricht erteilen.

Im Herbst 1905 bestand Kauer seine zweite Lehrerprüfung. Im Juni 1908 heiratete er Amalie Göhl aus Pleizenhausen, mit der er zwei Töchter hatte. Nach Ausbruch des Ersten Weltkrieges wurde ihm zusätzlich die Schule in Kisselbach übertragen, bevor er im Mai 1916 selbst einrücken musste. Im Mai 1917 erlitt er eine Verwundung und erhielt das Eiserne Kreuz II. Klasse. Zuletzt war er Offiziersaspirant in einem Ballonzug.

Nach dem Krieg nahm er seine Lehrtätigkeit in Riegenroth wieder auf. In der NS-Zeit sollte Kauer, da kein Parteimitglied und an seiner religiösen Einstellung festhaltend, zwangsversetzt werden, was nach eigenen Angaben durch das Eingreifen des Schulrats verhindert werden konnte.

Zum 1. April 1948 trat Jakob Kauer in den Ruhestand. Am 10. August 1948 siedelte er nach Simmern über, zwei Tage später starb seine Frau. Nach seiner Pensionierung widmete sich Kauer ganz der Evangelischen Kirche. Er wurde als Predigthelfer ordiniert und betreute mit besonderem Eifer die Protestanten in der Diaspora. Unermüdlich war er mit dem Fahrrad zu den entlegensten Orten unterwegs. Als er im Oktober 1954 nach einer solchen Betreuungsfahrt im Baybach- und Erbachtal mit dem Fahrrad zum Bahnhof Emmelshausen zur Weiterfahrt mit dem Zug unterwegs war, erfasste ihn in Emmelshausen ein PKW. Kauer erlitt einen doppelten Schädelbruch und starb bald darauf.

Kauers besondere Passion war neben der Religion die Heimatgeschichte. Vor allem die Geschichte Riegenroths, des Schönenbergs und der Schönburger faszinierten ihn, zahlreiche Beiträge erschienen im Hunsrücker Erzähler, in der Hunsrücker Zeitung und im Hunsrückkalender, darunter Untersuchungen zum Schönenberger Jahrmarkt, zum Schönenberger Hochgericht, zu den Wallfahrtskirchen des Hunsrücks, zur Geschichte einer Ölmühle und zur Hunsrücker Lehrerbildung.

Quellen / Literatur

  • Anonymus, Zum Tode des Lehrers Jakob Kauer, in: Hunsrückkalender 1956, S. 29.
  • Private Unterlagen Jakob Kauers im Besitz von Rolf Steyer, Simmern, darunter ein Lebenslauf vom 30. Januar 1951.

Von Jakob Kauer (Auswahl):

  • Jakob Kauer, Gustav Schellack und Willi Wagner, Das Land um den Schönenberg, Geschichte der Dörfer Kisselbach, Riegenroth und Steinbach, Köln 1973.
  • Vom Schönenberger Jahrmarkt, in: Hunsrücker Heimatkalender 1934, S. 54-59.
  • Drei ehemalige Wallfahrtskirchen des Hunsrücks, in: Hunsrücker Heimatkalender 1935, S. 71-76.
  • Vom Schönenberger Hochgericht, in: Hunsrücker Heimatkalender 1937, S. 99-106.
  • Geschichte einer Ölmühle, in: Hunsrücker Heimatkalender 1950, S. 53-58.
  • Hunsrücker Lehrerbildung in alter Zeit, in: Hunsrücker Heimatkalender 1953, S. 106-113.
  • Geschichte der Pfarrei Riegenroth (unveröffentlicht), im Kirchenarchiv Kisselbach.

Dr. Achim R. Baumgarten, Simmern
Heft 187 | Stand: 7/2024