
† 03.03.1988 in Altweidelbach
Vater: Georg Keller (Ingenieur für Hochofenbau)
Mutter: Helene Hermine, geb. Zimmermann
Biografie
Josef Keller (Kosename: „Jupp“), geb. am 31. Januar 1916 in Köln-Sülz als Sohn des Ingenieurs im Hochofenbau Georg Keller (1891-1970; beschäftigt bei Ooms-Ittner in Köln-Braunsfeld; Kosename: „Der Binz“) und dessen Ehefrau Helene, geb. Zimmermann (1894-1981; Kosename: „Die Krönzel“), wuchs in Köln auf. Als er 14 Jahre alt war, zog die Familie nach Halle um, wo er 1937 am altsprachlichen Gymnasium das Abitur bestand. Es folgten der Arbeitsdienst in Langenberg und 1939 ein Einsatz als Erntehelfer in Ostpreußen. Wenig später kehrte er zum Studium der Fächer Musik und Philosophie nach Köln zurück. Die Musik sollte sein Lebensinhalt und seine Passion werden.
Schon damals muss eine Verbindung zur Familie Gustav Kunz in Altweidelbach bestanden haben, denn ein Foto aus dem Jahre 1937 zeigt Jupp Keller und Gustav Kunz‘ Sohn Jakob in Köln. Durch sein versteiftes Bein vom Militärdienst befreit, kam Keller schließlich 1940 als Erntehelfer nach Altweidelbach. Bilder zeigen, dass er auch bei der Feldarbeit stets mit Stoffhose und Jackett gekleidet war und sich so von den übrigen Erntehelfern und Bauern in ihrer Arbeitskleidung unterschied.
Josef Keller war Künstler durch und durch und ein empfindsamer und vergeistigter Mensch. Neben seinem späteren Hauptberuf als Musiklehrer am Simmerner Gymnasium beschäftigte er sich sehr intensiv mit der Psychologie des Menschen und schrieb Gedichte und Erzählungen, für die er aber keinen Verleger fand. Er hat graphologische Gutachten erstellt und sich mit unterschiedlichen Methoden zur Erfassung der menschlichen Psyche befasst (Rohrschach/Lüscher etc.). In geistig anspruchsvoller Umgebung war er ein angenehmer Diskutant, dessen Freunde sich oft in geselliger Runde zusammenfanden.
Dass er angesichts seines Charakters keine Berührungspunkte zum NS-Regime zeigte, im Gegenteil dieses ob seiner Rohheit verachten musste, versteht sich von selbst. Trotzdem trat er – wohl aus opportunistischen Gründen – im Dezember 1937 rückwirkend zum 1. Mai 1937 der NSDAP in Köln bei. Damit erkaufte er sich einen gewissen Freiraum, der es ihm beispielsweise erlaubte, regelmäßig Beiträge im Bereich der Musik für Kölner Zeitungen zu veröffentlichen („Die Kunst der Fuge“, „Beschwingter Ausklang der Kölner Universitätsmusikwoche“, „Italienischer Opernabend“ usw.). Privat vertrat er eher linksgerichtete Positionen.
Mit der Zeit war das Verhältnis zur Familie Kunz in Altweidelbach freundschaftlich geworden. Als die Kölner Wohnung durch die Kriegsereignisse Schaden nahm, entschloss sich die Familie Keller, ihren Wohnsitz ganz nach Altweidelbach zu verlagern. Josefs Vater Georg Keller schlug der Gemeinde vor, dieser die Pflicht zum Bau des obligatorischen Flüchtlingswohnheims abzunehmen, ein solches auf eigene Kosten zu erstellen und danach selbst dort einzuziehen. Die Gemeinde stimmte zu. Als Baumaterial verwendete Georg Keller zum Teil die Reste einer kleinen Mühle, die im Tal zwischen Altweidelbach und Simmern gestanden hatte. Nach Abschluss der Arbeiten zog die ganze Familie (Josef Keller, seine junge Ehefrau Gerda Keller-Müllmerstaedt, die er am 28. Dezember 1843 in Köln geheiratet hatte, seine Eltern und seine Schwiegermutter Maria Müllmerstaedt, geb. Schneider) in das kleine Haus ein. Hier wurden die drei Kinder der Familie geboren: Lothar (*1950), Ottmar (*1954) und Melitta (*1955).
Josef Keller widmete sich nun ganz der Musik und erhielt überall lobende Anerkennung. Mit seiner Frau gründete er den „Kammermusikkreis Simmern“ und veranstaltete mit ihm regelmäßig Konzerte im Hunsrück und den größeren Städten der Umgebung. In den 1950er und 1960er Jahren wurden verschiedene Konzerte im zweiten Hörfunkprogramm des Südwestfunks ausgestrahlt. Ein besonderes Augenmerk legte man auf die musikalische Ausbildung der Kinder, die bald als das „Keller-Trio“ in aller Munde waren.
Im September 1967 starb Gerda Keller-Müllmerstaedt nach schwerer Krankheit. Danach gab Josef Keller keine öffentlichen Konzerte mehr. Allerdings unterstützte er noch aktiv die Gründung der Kreismusikschule im Jahre 1979. Am 4. März 1988 starb der feinsinnige Musiker und Künstler in Altweidelbach und wurde auch dort beerdigt.
Quellen / Literatur
- Achim Baumgarten, 1000 Jahre Altweidelbach 1006-2006, unter Mitarbeit von Doris Wesner, Altweidelbach 2006, S. 752-759.
- Bundesarchiv, NSDAP-Gaukartei (ehem. BDC), Karteikarte Keller, Josef (5616382).
- Freundliche Mitteilungen von Lothar Keller, Altweidelbach; Unterlagen der Familie Keller.
Dr. Achim R. Baumgarten, Simmern
Heft 168 | Stand: 3/2018
