Kirsch-Puricelli, Dr. Dr. Nikolaus

Dr. Dr. Nikolaus Kirsch-Puricelli
* 03.12.1866 in Dippach/Luxemburg
† 08.10.1936 in Rheinböllerhütte
Vater: Andreas Kirsch
Mutter: Catharina, geb. Didier

Biografie

Ende des 19. Jahrhunderts sahen sich die „Gebrüder Puricelli“ mit einer unsicheren Nachfolgeregelung in ihrem Unternehmen konfrontiert. Die drei Vettern Hermann, Carl (III.) und Eduard waren alle bereits im Rentenalter. Einziger männlicher Angehöriger und Urenkel des ersten Puricelli-Firmeninhabers (Carl I.) war Hermanns Sohn Paul. Nach einem naturwissenschaftlichen Studium und der Promotion in Heidelberg kehrte der 1862 Geborene nach Rheinböllen zurück und stieg ins Unternehmen ein. Erst kurz verheiratet und gerade Vater einer Tochter geworden, starb er bereits 1893 zwei Wochen nach seinem 31. Geburtstag.

1895 heiratete Pauls Schwester Olga den neun Jahre jüngeren Luxemburger Nikolaus Kirsch, zweifach promoviert als Naturwissenschaftler und Jurist. Als Hütteningenieur bei der Deutsch-Luxemburgischen Bergwerksgesellschaft in Esch (seit 1890) brachte er Branchenerfahrungen mit und stieg noch im Jahr der Eheschließung in die Geschäftsleitung der Rheinböllerhütte ein. 1897 nahm Dr. Dr. Kirsch zusätzlich den Namen „Puricelli“ an.

Ab 1911 fungierte er als Alleininhaber und gliederte seinem Unternehmen 1912 die zum Verkauf stehende Stromberger Neuhütte an. Nunmehr verfügten „Gebrüder Puricelli“ über fünf Hochöfen zur Produktion von Gusseisen. Bereits in den Jahren zuvor hatte sich der Betrieb vermehrt auf die Herstellung von Öfen, Herden und Großkochanlagen für Hotels eingestellt. Dazu bedurfte es auch einer Erweiterung des Emaillierwerkes (ab 1905). 1907 verzeichnete die Belegschaft mit rund 600 Mitarbeitern einen historischen Höchststand.

Kriegs- und Nachkriegsjahre führten zu Höhen und Tiefen im Unternehmen. Umstrukturierungen waren unabdingbar. Die Geschäftsleitung gründete zur Versorgung der eigenen Betriebsangehörigen Mitte der 1920er-Jahre die Brotfabrik „Junkersmühle“ in Stromberg. Ab 1924 firmierte das Rheinböller Werk unter seinem neuen Namen „Gebrüder Puricelli’sche Betriebsgesellschaft AG“. Nikolaus Kirsch-Puricelli bekleidete nach dem Ersten Weltkrieg bedeutende öffentliche Ämter und war ebenso wie seine Gattin Olga Träger hoher kirchlicher Würden. So verlieh ihm der Vatikan 1927 den Titel „Päpstlicher Baron“.

1898 kaufte er von einem deutschen Konsul die bereits im Jahr 1213 aktenkundige Burg Reichenstein oberhalb von Trechtingshausen, welche er umfassend neugestaltete und erweiterte. Spätestens 1902 nahm sodann eine der damals reichsten Adels- und Industriellenfamilien Europas hier ihren Dauerwohnsitz. Der Burgherr war passionierter Jäger und häufte auf der Burg eine der größten deutschen Trophäensammlungen mit über 1.200 Exponaten aus vier Kontinenten an. Darüber hinaus erfreute sich Dr. Dr. Kirsch-Puricelli an seiner umfangreichen Sammlung alter Waffen, Rüstungen und Möbel. Die gleichfalls zusammengetragenen gusseisernen Ofenplatten (maßgeblich aus der Produktion des eigenen Unternehmens) stammten zum Teil aus dem 16. Jahrhundert.

Bis zu seinem Tod im Jahr 1936 residierte der Baron auf Reichenstein. Gattin Olga war 78-jährig bereits anderthalb Jahre vor ihm heimgegangen. Beide wurden in der Familiengruft oberhalb der Rheinböllerhütte beigesetzt.

Quellen / Literatur

  • Robert Schmitt, Geschichte der Rheinböllerhütte, Bergisch-Gladbach 1961, S. 59-60.
  • Nachlass Ernst Siegel (unveröffentlicht).
  • Hans-Christian Brandenburg, Das Geschlecht der Puricelli in Südwestdeutschland, in: Landeskundliche Vierteljahresblätter, 1990, Heft 2, S. 72-92.
  • Karl-Ernst Linz, Die Familien Puricelli und Kirsch-Puricelli (Kleine Schriftenreihe des Vereins für die Geschichte der Stadt Bacharach und der Vierthäler, Nr. 33), S. 11.

Dieter Diether, Rheinböllen
Heft 172 | Stand: 10/2019