
† 04.12.1970 in München
Vater: Heinrich August Kraemer
Mutter: Elisabetha, geb. Imig
Biografie
Als Lehrersohn wurde Karl Friedrich August Kraemer am 1. April 1886 in Dichtelbach geboren. Persönliches Vorbild blieb ein Leben lang sein Großvater. Dieser besaß ein Gasthaus, in dem der pfiffige Junge die „buntesten Käuze“, die hier ihre regelmäßigen Schoppen verzehrten“ kennen lernte. Deren vielfach „spitze Zungen“ machte sich Kraemer in späteren Jahren dann regelmäßig zu eigen.
Nach dem Abitur in Koblenz und verschiedenen beruflichen Versuchen wurde dem jungen Hunsrücker bei einem mehr zufälligen Besuch in der Anatomie blitzhaft klar, dass sein eigentliches Lebensziel nur der Arztberuf sein könne. Sein folgendes Medizinstudium meisterte er in Bonn, Würzburg, München, Heidelberg und Straßburg, wo er auch im Jahre 1915 sein Staatsexamen ablegte.
Verwundet kehrte Kraemer aus dem Ersten Weltkrieg zurück und begann als Assistent in der medizinischen Klinik der Bonner Universität. Nach erfolgreicher Promotion war er sodann in der dortigen Frauenklinik tätig.
Endlich zog es ihn zurück in die Heimat und er landete im Hunsrückdörfchen Sauerbrunnen, wo er recht bald mit tatkräftiger Unterstützung seiner jungen Frau seine Landpraxis mit eigener Hausapotheke eröffnete. Von hier aus hatte er in den folgenden rund fünf Jahrzehnten Patienten aus insgesamt 34 Dörfer mit entlegenen Weilern und Mühlen im Baybach- und Ehrbachtal ärztlich zu besorgen.
Zunächst mit einem klapprigen Veloziped – wie Kraemer sein altes „Dienstfahrrad“ respektvoll bezeichnete –, später mit einer kleinen Pferdekutsche, erschloss er einen ganzen Landzug mit seiner medizinischen Betreuung zu einer Zeit, als selbst minimale Hygiene vielfach noch als nicht artikulierbares Fremdwort galt und oftmals nur primitivste Reinlichkeitsverhältnisse im Patientenumfeld angetroffen wurden.
Nicht von Ungefähr wurde im Laufe der Jahre dem hochgeschätzten „Apostel der Gesundheit“ sowohl von der ländlich strukturierten Bevölkerung als auch von seinen Standeskollegen der Ehrentitel des „Nestors der Hunsrückärzte“ zugestanden.
In einer im Herbste seiner Tage erstellten Lebensbilanz wurde festgehalten, dass der „Suerborscher Doktor“ in gut fünfzig Berufsjahren insgesamt über eintausend Hausgeburten, oftmals „bei Nacht und Nebel und viele Stunden andauernd in kleinen, mit stickiger Luft erfüllten Bauernstuben bei Kerzen- und Petroleumlicht“, leitete.
Ein volles Menschenalter wirkte er als Landarzt und Geburtshelfer aus Leidenschaft mit unendlichem Idealismus unter dem Motto: „Man lebt nur, wenn man schafft!“
Am 4. Dezember 1970 verstarb Dr. Karl Friedrich August Kraemer in der bayerischen Landeshauptstadt München.
Quellen / Literatur
- Geburtsurkunde im Standesamt Rheinböllen (mit Eintrag von Sterbedatum und Sterbeort).
- Rheinland-Pfälzische Personendatenbank (Internet).
- Jürgen Johann, Lebenserinnerungen eines Hunsrücker Landarztes, in: Rhein-Hunsrück-Kalender 2004, S. 117-121.
Jürgen Johann, Boppard
Heft 167 | Stand: 4/2018
