Kuhn, Wilhelm

Wilhelm Kuhn. Foto: privat
* 07.10.1910 in Biebernheim
† 27.03.2004 in Boppard
Vater: Peter Kuhn (Maurer)
Mutter: Margarete, geb. Pabst

Biografie

Wilhelm Kuhn kam am 7. Oktober 1910 in Biebernheim (heute St. Goar-Biebernheim) als Sohn von Margarete Pabst zur Welt, die zu dieser Zeit noch unverheiratet war. Sie heiratete im Jahr 1912 den aus Werlau (heute St. Goar-Werlau) stammenden Maurer Peter Kuhn, der ihren Sohn Wilhelm „an Kindes statt“ annahm. Die Familie, die sich um weitere fünf Kinder vergrößerte, lebte im Elternhaus der Mutter in der Biebernheimer Dorfstraße, in dem auch ein kleines Kolonialwarengeschäft betrieben wurde.

In Biebernheim besuchte Wilhelm die Evangelische Volksschule. Danach erlernte er in St. Goarshausen den Beruf des Anstreichers. Nach dem Abschluss der Lehre ging er auf die Wanderschaft und arbeitete in seinem Beruf in verschiedenen Orten, überwiegend in Süddeutschland. Er schlug sich recht und schlecht durch. In den frühen 1930er Jahren besuchte er die Kunsthochschule in Karlsruhe (heute Staatliche Akademie der Bildenden Künste in Karlsruhe), um sich künstlerisch weiterzubilden, da bei ihm ein zweifellos großes Maltalent vorhanden war. Am 1. April 1933 wurde er Mitglied der NSDAP (Mitgliedsnummer 1.697.639).

Als der Zweite Weltkrieg ausbrach, wurde Wilhelm Kuhn Soldat. Er überlebte den Krieg und geriet in russische Kriegsgefangenschaft. Dort musste er über Jahre in einem Lager im Baltikum ausharren, bis er im Jahr 1949 – inzwischen 39 Jahre alt – als so genannter „Spätheimkehrer“ ausgemergelt und geschwächt wieder in der Heimat ankam. In der Gefangenschaft half ihm vor allem seine Malerei – teilweise mit selbst gefertigten Kohlestiften – über die schlimme Zeit hinweg. Er porträtierte dort Offiziere der Roten Armee, was ihm die eine oder andere Vergünstigung einbrachte. Außerdem malte er für seine mitgefangenen Kameraden individuelle Grußkarten für deren Angehörige in der Heimat. Nach der Entlassung aus der Kriegsgefangenschaft ging er seinem Beruf als Anstreicher nach und viele seiner von ihm künstlerisch gestalteten Hausfassaden im näheren und weiteren Heimatgebiet sind noch heute Zeugen seines kreativen Schaffens.

Kuhn blieb unverheiratet und wurde von seiner Schwester Margarete, die das von den Eltern übernommene Kolonialwarengeschäft bis zum Jahr 1999 weiter betrieb, versorgt. Er lebte asketisch, drehte jeden Pfennig um und leistete sich selbst nichts. Zum Fernsehschauen besuchte er im Dorf abwechselnd mehrere Familien. Und wenn jemand etwas nicht mehr brauchte, dann hatte Wilhelm Kuhn dafür oftmals eine Verwendung. Im fortgeschrittenen Alter gab er sich vermehrt seiner Leidenschaft, der Malerei, hin. Seine „Gemäldegalerie“ hatte er in einem zugigen Speicherraum seines Elternhauses eingerichtet. Zahlreich sind die Gemälde mit Landschaftsmotiven seiner näheren Heimat, die heute noch viele Wohn- und Gastzimmer zieren.

Im Juli 2001, inzwischen hatte er sein 90. Lebensjahr vollendet, nahm er Wohnung im Bopparder Altenheim St. Elisabeth. Dort starb er am 27. März 2004. Mit der Eröffnung seines Testamentes sorgte er noch nach seinem Tod für eine handfeste Überraschung, denn er, der ein ärmliches Leben führte, hinterließ seinem Heimatdorf Biebernheim und außerdem der dortigen Evangelischen Kirchengemeinde ein hohes Barvermögen und eine stattliche Gemäldesammlung. Wilhelm Kuhn fand auf dem Biebernheimer Friedhof seine letzte Ruhestätte.

Quellen / Literatur

  • Walter Mallmann, Der Maler Wilhelm Kuhn, ein Biebernheimer Original, in: Hansen-Blatt Nr. 64, St. Goar 2011.

Walter Mallmann, St. Goar
Heft 167 | Stand: 12/2017