Schmalkalder, Dr. David

Dr. David Schmalkalder
* 08.12.1569 in Marburg
† 02.02.1636 in Schwäbisch Hall
Vater: Conrad Schmalkalder
Mutter: Anna, geb. Lauck

Biografie

David Schmalkalder wurde am 8. Dezember 1569 in Marburg als viertes Kind des Marburger Schöffen, Stadtrates und Bürgermeisters Conrad Schmalkalder und der Anna Lauck aus Frankenberg geboren. Nach dem Besuch des Marburger Pädagogiums studierte er ab 1590 in Tübingen und Marburg Jura und schloss sein Studium 1596 mit der Dissertation (summa cum laude) ab. Bereits 1594 wurde er von Herzog Reichard von Pfalz-Simmern (1569-1598) zu seinem Rat und Truchsess in Kirchberg angenommen. Nach dessen Tod wurde er von Pfalzgraf Georg Gustav von Pfalz-Veldenz (1592-1634) zum Rat und Amtmann nach Lützelstein (La Petite-Pierrre) im Elsaß und 1602 zum Amtmann der Grafschaft Veldenz berufen. 1607 wechselte er als Jurist nach Worms und wurde schließlich 1609 als Advokat und Konsulenten nach Schwäbisch Hall gerufen, wo er bis zu seinem Lebensende blieb.

Dr. David Schmalkalder war zweimal verheiratet: Am 7. Februar 1597 heiratete er in erster Ehe „zu Simmern im Schloß“ Eleonora Hauff (1575-1618), Tochter des württembergischen Burgvogts und Hauptmanns über die Stadt und Festung Schorndorf Johann Hauff. Nach deren Tod heiratete er am 18. Juni 1619 in zweiter Ehe Catharina Dietrich († 1665), eine Tochter seines Schwäbisch Haller Amtskollegen Dr. Sebastian Dietrich. Seinen beiden Ehen entsprossen zusammen sechs Söhne und sieben Töchter, von denen ihn jedoch nur ein Sohn und drei Töchter überlebten.

Von den sieben Kindern mit Eleonora Hauff sind nur die beiden Töchter Anna Margaretha und Anna Catharina Schmalkalder namentlich bekannt, die als einzige das heiratsfähige Alter erreichten. Die ältestete Tochter Anna Margaretha Schmalkalder wurde die Ehefrau des Advokaten am Reichskammergericht in Speyer Dr. Georg Hartmann Kühorn († 1627). Die drei Kinder aus dieser Ehe Ulrich Daniel, Catharina Sybilla und Justina Margaretha Kühorn wuchsen nach dem frühen Tod ihrer Eltern ab 1627 bei ihrem Großvater David Schmalkalder auf. Die jüngere Tochter Anna Catharina Schmalkalder heiratete am 20. Oktober 1629 den Schwäbisch Haller Syndikus Dr. Hieronymus Klöpfer (1601-1661). Der aus Stuttgart gebürtige Philosoph Georg Wilhelm Friedrich Hegel (1770-1831) zählt zu ihren Nachfahren.

Aus der zweiten Ehe des Dr. David Schmalkalder mit Catharina Dietrich lassen sich fünf der sechs Kinder nachweisen: Johann David (1620-1620), Justina Margaretha (1622-1622), Catharina Ursula (* 1624), Johann Dietrich (* 1627) und Anna Regina (* 1630). Über den weiteren Lebensweg von Catharina Ursula Schmalkalder ist nichts bekannt. Johann Dietrich Schmalkalder studierte in Tübingen und Heidelberg wie sein Vater Jura und wurde Oberratssekretär in Stuttgart sowie Kriegskommissar des schwäbischen Ritterkreises.

Mit seiner Ehefrau Agnes Zweifel (1640-1695) aus Stuttgart hat er zahlreiche Nachkommen hinterlassen. Anna Regina Schmalkalder wurde die zweite Ehefrau des Kartographen Andreas Kieser (1618-1688), Sohn des aus Kastellaun stammenden bekannten Frankfurter Kupferstechers und Verlegers Eberhard Kieser (1583-1631).

Dr. David Schmalkalder war „an seinem Leib immerdar schwach und bawfällig gewesen“ und die „vielen gefährlichen Reysen und stäten Bemühungen“ hatten seine Kräfte aufgezehrt, sodass er am 2. Februar 1636 im Kreis seiner Familie im Alter von 66 Jahren verstarb. Aus seiner Hand ist erstaunlich viel Material erhalten geblieben: Eine von ihm begonnene handschriftliche Familienchronik wurde ab 1596 von seinem jüngeren Bruder Daniel Schmalkalder (1574-1637) und von dessen Nachkommen bis 1805 fortgesetzt. Sie befindet sich heute im Hessischen Hauptstaatsarchiv Wiesbaden. In einem in seiner Studentenzeit begonnenes Freundschaftsbuch haben sich auch viele Vertreter der Lokalprominenz aus Simmern und Kirchberg verewigt.

Erhalten sind weiterhin seine Dissertation, eine Gratulationsschrift von 1596 sowie seine gedruckte Leichenpredigt, die in mehreren Exemplaren erhalten ist.

Quellen

  • Hessisches Hauptstaatsarchiv Wiesbaden, Best. 3004, Nr. A 71
  • Landeskirchliches Archiv der Evangelischen Landeskirche in Württemberg, Stuttgart, Kirchenbuch Schwäbisch Hall, St. Michael, Band Nr. 34 (+ 1606-1634)
  • Erudita doctrina et virtutibus politicis insigni viro M. Davidi Schmalkaldero Marpurg. Consiliario Palatino de novis docturae insignibus, titulis & honoribus in academ. Marpurg. Acceptis: 11. Septembr. Anno xcvi gratulantur amici, Marburg 1596
  • David Schmalkalder, Quod deus prosperet ac bene vertat has de pignoribus et hypothecis propositiones, ex decreto amplissimi jureconsultorum ordinis, in […], Marburg 1596
  • Nicolaus Glock, Euthanasia simeonis oder das lehr- und geistreiche Schwanen-Gesänglein […] bey Leichbegängnuß deß David Schmalkaldern der Rechten Doctoris der Reichs-Statt Schwäbischen Hall Advocaten vnd Consulenten […], Schwäbisch Hall 1636
  • Wolfgang Metz, Eine Verwandtschaft Goethes und Hegels am Reichskammergericht zu Speyer, in: Jahrbuch zur Geschichte von Stadt und Landkreis Kaiserslautern, 12.1974/75, S. 328-333
  • Max Miller, Gerhard Taddey (Hrsg.), Lebensbilder aus Schwaben und Franken, 14.1980, Stuttgart 1980, S. 37 ff. (Beitrag über Andreas Kieser)
  • Gerd Wunder, Die Bürger von Hall. Sozialgeschichte einer Reichsstadt 1216-1802, Sigmaringen 1980
  • Ingeborg Krekler, Die Autographensammlung des Stuttgarter Konsitorialdirektors Friedrich Wilhelm Frommann (1707-1787), Die Handschriften der Württembergischen Landesbibliothek Stuttgart, Sonderreihe, Zweiter Band, Wiesbaden 1992, S. 669-670.

Peter Schößler, Ravengiersburg
Heft 147 | Stand: 10/2011