
† 30.12.1901 in Kassel
Vater: Conrad Wenderhold
Mutter: Auguste Wilhelmine Katharina, geb. Ochs
Biografie
Christian Konrad Alexander Wenderhold wurde am 15. März 1844 in Floh (heute Einheitsgemeinde Floh-Seligenthal) bei Schmalkalden als Sohn eines evangelischen Steuerinspektors geboren. Nach dem Besuch des Gymnasiums folgte ein Studium der Rechte und der Kameralwissenschaft u. a. in Marburg (1863) und Leipzig (S.S. 1864). Nach der Ablegung des kurhessischen Staatsexamens wurde er am 6. Mai 1867 dem Landratsamt Homberg/Efze zur Beschäftigung zugewiesen. Dort wurde er am 11. September 1868 kommissarischer Kreissekretär. Ab 4. Februar 1869 finden wir ihn in der gleichen Position in Melsungen, wo er im Oktober 1869 definitiv zum Kreissekretär ernannt wurde. Am 1. Dezember 1872 wurde er zur Ablegung der großen Staatsprüfung beurlaubt; die Prüfung bestand er am 17. Dezember 1873. Danach erfolgte die Beauftragung mit der Verwaltung des Landratsamtes Melsungen. Am 6. Juni 1874 wurde er an die Regierung in Koblenz überwiesen.
Am 1. Juli 1875 wurde er mit der Verwaltung des Landratsamtes Simmern beauftragt. Die definitive Ernennung erfolgte am 31. Dezember 1876, die Amtsübertragung am 6. Januar. 1877. Fast 20 Jahre währte nun seine Amtszeit in Simmern. Zu seinem Abschied widmete die Hunsrücker Zeitung ihm in ihrer Ausgabe vom 21. Oktober 1894 einen umfangreichen Nachruf. Danach habe er sein Hauptinteresse der Landwirtschaft und Viehzucht zugewandt. Um die Bedürfnisse unserer Bauern aus der Praxis besser kennen zu lernen, wurde Landrat Wenderhold selbst Landwirt. Sein Grundbesitz wurde mit 11 ½ Hektar angegeben. Im Notjahr 1882/83 setzte er sich unermüdlich für die Beschaffung von Saatgut und die Linderung der Futternot ein.
Der umfangreiche Bericht in der Hunsrücker Zeitung vom 8. Oktober 1889 über die zwei Tage zuvor stattgefundene große Einweihungsfeier der Bahnstrecke Langenlonsheim-Simmern würdigte nachdrücklich die Verdienste von Landrat Wenderhold:
„In erster Linie nennen wir in dieser Beziehung unsern verehrten Herrn Landrath, dessen Verdienste um das Zustandekommen der Bahn nicht hoch genug anzuschlagen sind. Mit richtigem Blick hatte er die unabweisbare Nothwendigkeit der Bahnverbindung erkannt, unbeirrt und unermüdlich für ihre Verwirklichung gearbeitet und sie in die Bahnen zu lenken gewusst, die für die Interessen des Hunsrück’s allein richtig und segensreich sein konnten. Wenn wir deshalb an dieser Stelle Herrn Landrath Wenderhold den aufrichtigen Dank sagen, so sprechen wir gewiß im Namen und im Sinne der gesammten Bevölkerung des Kreises Simmern“.
Bei seiner Verabschiedung wies Wenderhold darauf hin, „daß er als tatkräftiger junger Mann vor beinahe 20 Jahre die Verwaltung des Kreises übernommen habe und nun als vorzeitig gealterter kranker Mann Abschied nehme“. Sein Ausscheiden aus dem Amt des Simmerner Landrates war eigentlich tragisch: In den Jahren 1892 und 1893 wurden kriminelle Machenschaften des Bürgermeisters Heinrich Schulze in Kirchberg und des Simmerner Sparkassenrendanten Carl Oswald Goetz aufgedeckt. Die beiden Herren wurden zu Gefängnisstrafen von zwei bzw. fünf Jahren verurteilt. Landrat Wenderhold wurde in beiden Fällen von den übergeordneten Behörden bis ins Innenministerium in Berlin Verletzungen seiner Aufsichtspflichten vorgeworfen. Trotz zahlreicher Vertrauensbekundungen aus dem Landkreis wurde er aus Simmern abberufen. Der Oberpräsident schrieb dazu abschließend am 20. Juli 1894:
„Das Verbleiben des Landrathes Wenderhold in seiner jetzigen Stellung würde meines Dafürhaltens weder im Interesse der Staatsregierung noch in demjenigen der Kreiseingesessenen von Simmern liegen“.
Es folgte seine Versetzung als Regierungsrat (23. Oktober 1894) an die Regierung Kassel. Zuletzt war er beim Domänendezernat beschäftigt und Vorsteher des Reformierten Waisenhauses in Kassel. Am 22. Januar 1900 wurde ihm der Titel eines Geheimen Regierungsrates verliehen. Am 1. Januar 1901 folgte aus Gesundheitsgründen der Eintritt in den Ruhestand. Noch im gleichen Jahre verstarb er in Kassel am 30. Dezember.
Alexander Wenderhold hatte am 8. August 1871 Louise Gleim, die Tochter eines Tuchfabrikanten aus Melsungen geheiratet. Den beiden wurden insgesamt acht Kinder geschenkt; zwei Jungen und drei Mädchen wurden in den Jahren 1876, 1878, 1880, 1882 und 1885 in Simmern geboren. Wenderhold war Inhaber der Kriegsdenkmünze für die Feldzüge 1870/71 und des Roten Adler-Ordens IV. Klasse.
Quellen / Literatur
- Landkreis Simmern, Bonn 1967, S. 93-95.
- Hunsrücker Zeitung vom 21. Oktober 1894.
- Thomas Jungbluth, Die „altpreußischen“ höhere Regierungsbeamten und Landräte in den Regierungsbezirken Koblenz und Trier 1850-1914 im Rahmen der preußischen Personalpolitik, Diss. Mainz 1989, S. 241.
- LHA Ko, Best. 403, Nr. 5326 sowie Best. 441, Nr. 8103 und 19252.
- Horst Romeyk, Die leitenden staatlichen und kommunalen Verwaltungsbeamten der Rheinprovinz 1816-1945, Düsseldorf 1994, S. 811.
- Standesamt Simmern.
Dr. Hans Dunger, Kirchberg
Heft 166 | Stand: 10/2017
