
† 12.09.2004 in Bad Homburg
Vater: Josef Keller (Musiker)
Mutter: Gerda Keller-Müllmerstaedt, geb. Müllmerstaedt (Musikerin)
Biografie
Wie ihren beiden Brüdern wurde auch der einzigen Tochter des Musikerehepaars Josef Keller und Gerda Keller-Müllmerstaedt die Liebe zur Musik bereits in die Wiege gelegt. Unter großer Förderung der Eltern stand die Musik von klein auf im Mittelpunkt ihres Lebens. Tägliches Üben gehörte für sie von früher Kindheit an zum Tagesablauf.
Nach dem vierjährigen Besuch der Volksschule in Altweidelbach besuchte sie anschließend das Gymnasium in Simmern. Mit ihren Geschwistern Lothar (* 1950) und Othmar (* 1954) bildete sie früh das „Keller-Trio“, das durch herausragende Erfolge schnell bekannt und geschätzt wurde. Als Trio wie auch als Quartett zusammen mit Wolfgang Anlauf errang man zahlreiche Auszeichnungen und Preise. Zu nennen wären u.a. die ersten Preise bei „Jugend musiziert“ 1964 beim Lokalwettbewerb in Koblenz und beim Landeswettbewerb in Mainz, alle vier ersten Preise beim Lokalwettbewerb in Koblenz und beim Landeswettbewerb in Mainz 1966 (Melitta – Violine, Othmar – Viola, Lothar – Cello sowie gemeinsam als Streichtrio), der erste Preis und der Sonderpreis des Deutschen Musikrates als Streichtrio beim Bundeswettbewerb in Bremen 1966 sowie die zweiten Preise in den Einzelwettbewerben für Melitta (Violine) und Othmar (Viola), verschiedene Förderpreise und Förderprämien, der Musikpreis „Mons Tabor“ in Montabaur 1967 usw. Viele Auftritte wurden in Fachkreisen begeistert kommentiert.
Auch nach dem frühen Tod der Mutter am 14. September 1967, der die Zukunft des Trios zwangsläufig überschattete, gingen die Auftritte und Erfolge weiter; zu nennen wären: erneuter Bundessieg bei „Jugend musiziert“ in Erlangen 1968 (2. Preis; der 1. Preis wurde nicht vergeben), verbunden mit einem Stipendium zum Musikstudium, gemeinsamer Kurs 1969 in Schweden, das Erringen des ersten Preises beim internationalen Kammermusikwettbewerb in Colmar 1972, ein Konzert im Offenbacher Ledermuseum (12. Kammermusikabend) im Jahre 1973, und dazwischen immer wieder viele Auftritte an verschiedenen Orten, meist mit begeisterten Kritiken. Das letzte gemeinsame Konzert der Geschwister Keller fand am Pfingstsamstag 1976 auf Burg Rheinfels statt.
Die Wege der Keller-Kinder trennten sich nun. Während Othmar und Lothar noch einmal gemeinsame glanzvolle Auftritte, etwa beim Herbstkonzert 1976 der Rheinischen Philharmonie in der Hunsrückhalle, hatten, setzte Melitta ihre Ausbildung nun in den USA fort; sie studierte bei dem polnisch-französischen Violinisten Henri Lewkowicz (1919-1981), bei Prof. Heinz Stanske (1909-1996) und bei Prof. Josef Gingold (1909-1995; Konzertmeister beim Detroit Symphony Orchestra und beim Cleveland Orchestra, Lehrer an der Indiana University, der Jacobs School of Music und der Juilliard School in New York City; zu seinen Schülern gehörten auch Volker Hartung, Sho-Mei Pelletier und Joshua Bell). 1977 gewann sie in Bloomington den Beethovenpreis des Jahres 1977.
1973 war Melitta Keller beim 12. Kammermusikabend in Offenbach mit dem Frankfurter Talentsucher Prof. Günter Weigmann, Vorsitzender des Vereins zur Pflege der Kammermusik und zur Förderung junger Musiker, bekannt geworden; vielleicht war das der Grund, warum sie sich neben ihren Konzertauftritten als Solistin insbesondere der Kammermusik widmete und nach Frankfurt zurückkehrte, wobei sie in zahlreichen Rundfunkaufnahmen zu hören war. Mehrfach wurde sie mit Preisen ausgezeichnet, etwa beim internationalen Kammermusikwettbewerb in Colmar oder als Mitglied des bekannten Kreisler Trios (zusammen mit Nina Tichmann und Johannes Wohlmacher) mit dem Preis der deutschen Schallplattenkritik. Mit dem Thürmchen Ensemble (mit Inge Kölsch/Viola, Klaus Steffes-Holländer/Piano und Ulrich Walter/Violincello, Dirigent Roland Kluttig) veröffentlichte sie mit Preisen bedachte moderne Kammermusik von Caspar Johannes Walter. Schließlich wurde sie Konzertmeisterin des Radio-Sinfonie-Orchesters Frankfurt (HR).
Für Melitta Keller war die Musik ebenso eine Berufung, wie sie es für ihre Eltern gewesen war. Sie galt als Frühvollendete. Und wie ihre Mutter und ihr Bruder Othmar wurde sie Opfer einer heimtückischen Krankheit, die ihrer Karriere ein jähes Ende setzte. Anfang 2004, in der Gewissheit ihres baldigen Todes, heiratete sie ihren langjährigen Lebensgefährten Alejandro Ruthkauskas, ebenfalls Konzertmeister im Radiosinfonieorchester des Hessischen Rundfunks. Mit ihm und dem bekannten Schweizer Jazzmusiker Daniel Schnyder hatte sie sich in den letzten Jahren auch dem Jazz zugewandt und etliche Konzerte und Aufnahmen in Basel und Zürich gemacht. Nach längerer Erkrankung starb sie am 12. September 2004 und wurde auf dem Altweidelbacher Friedhof anonym beerdigt.
Quellen / Literatur
- Wolfgang Heinemann, Aus Simmerns klassischer Musikszene während der vergangenen fünfzig Jahre, in: Jahresbericht 2009/10 des Herzog-Johann-Gymnasiums Simmern, S. 136-140.
- Familienunterlagen und freundliche Mitteilungen von Lothar Keller, Altweidelbach.
Dr. Achim R. Baumgarten, Simmern
Heft 181 | Stand: 9/2022
